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«Wortspielnamen funktionieren nie, es sei denn, sie sind total genial.»

Es war am 18. Juni 2015, also fast genau vor einem Jahr. Ich sass mit Sascha Lobo und Kathrin Passig zum Frühstück in Berlin im Café Einstein Stammhaus. Am Nebentisch sass Ex-DGB-Chef Michael Sommer, und ich überlegte zwei geschlagene Stunden lang, wer das ist, aber ich fragte natürlich nicht, denn wer will sich schon vor zwei Ur-Berlinern als ahnungsloses Landei outen. Ein paar Stunden später fiel es mir dann ein.

Ich erzählte von Niuws, wie super das alles liefe (wir hatten damals gerade eine Hochenergiephase, waren kurz vorher beim Newscron Camp in Mallorca gewesen, hauten Features raus wie verrückt), und Sascha sagte, wie beiläufig: «Ja, den Namen müsst Ihr natürlich irgendwann noch ändern, der funktioniert nicht.»

«Dafür ist es jetzt zu spät», antwortete ich. «Ich verstehe, dass das Name in der Schreibweise zu Beginn ein bisschen schwierig ist, aber das wird schon.» Sascha dagegen war sich ganz sicher: «Wortspielnamen funktionieren nie, es sei denn, sie sind total genial.»

Ich war wirklich damals entschlossen, den Namen zu behalten. Doch die Opposition gegen Niuws funktionierte ein bisschen wie ich mir die die angebliche Chinesische Wasserfolter vorstelle (ich traue mich nur, eine Foltermethode zu verlinken, weil dort steht, dass man gar nicht weiss, ob es die wirklich gibt): ein Tropfen nach dem anderen.

Man bekommt Mails und Tweets und Dokumente und so weiter zugeschickt, in denen die Leute den Namen falsch schreiben: Nius (häufigster Fehler). Niues. Niuews. Nieuws (das gibt es, es heisst Nachrichten auf holländisch). Niws. Ich habe alle möglichen Variationen mit dem vorhandenen Buchstabenmaterial gesehen, plus einige mehr. Man sitzt daneben, wenn sie versuchen, die installierte App auf ihrem iPhone zu finden. Kuratoren erzählen, sie bekämen gelegentlich zu hören: «Ich weiss nicht, wo der Punkt hinkommt» – eine Meldung aus der Unterabteilung schwierige Top-Level-Domains (.ws). Es ist nie ein wirklich vernichtendes Feedback, aber ein schleichendes.

Von 2000 bis 2006 habe ich mich ja bei Zeix viel mit Usability beschäftigt und dabei auch immer gern das Verhalten meiner damaligen Kunden, zum Beispiel Produktmanager, im Usability-Labor beschrieben: Der Kunde im Beobachtungsraum sieht die erste Testperson im Labor, die mit seinem Produkt überhaupt nicht klar kommt. Der Kunde denkt: «Puh, wo habt Ihr denn so eine dumme Testperson aufgetrieben?» Es folgt der zweite Test mit ähnlichem Resultat. Der Kunde denkt: «Himmel, der ist ja auch nicht besser.» Beim dritten kommen die reflektierteren unter den Web-Profis ins Grübeln und denken: «Hm, vielleicht könnte es doch auch ein bisschen an meinem Produkt liegen.»

Genauso ging es mir auch mit dem Namen. Und wenn man ihn hundertmal falsch geschrieben gesehen hat in einem Dutzend verschiedenen Schreibweisen, dann denkt man halt irgendwann: «Vielleicht hatte ja Sascha recht.»

Und noch etwas Interessantes ist passiert. Ich habe einige Male an Pitches oder sonstigen Veranstaltungen teilgenommen, bei denen auch andere Startups oder Projekte mit Wortspielnamen teilnahmen (notgedrungen ist das inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, es gibt ja für alles andere keine Domains) und vor oder nach mir präsentierten. Prototypisch war die Frühstücksreihe zum Thema Smart Curation der ZHdK von Frédéric Martel, bei der nach mir Andreas Bleuler, der Gründer von Joixes, (sprich: «Choices») sprach, der seine Präsentation sinngemäss mit dem Satz eröffnete: «Ich möchte meinen Vorredner fragen, ob er schon mal überlegt hat, den Namen zu ändern.» – «Klar, wir sind mittendrin.» Ich war überrascht zu merken, dass es neben der allgemeinen Startup-Solidarität noch eine Unter-Solidarität gibt von Startups mit schwer verständlichen Namen.

Und auch wenn ich mich natürlich etwas schwer tue, erstens diesen Kreis von sympathischen Realitätsanerkennern zu verlassen und vor allem zuzugeben, dass ich Ende 2014 wohl einen Fehler gemacht habe, als wir für unseren Markttest auf die Schnelle einen Namen finden mussten und das Minimum Viable Product «Niuws» nannten, haben wir uns nun also umbenannt.

Wie schwierig es ist, einen neuen Namen zu finden und vor allem eine bezahlbare Domain, das wäre eine gute Geschichte für einen anderen Blogpost. Am Ende haben wir uns für «Scope» entschieden und das heute kommuniziert: Kuratierte News-Plattform heisst künftig «Scope».

Lustigerweise ist das ein Name, den ich mir zusammen mit Andreas Von Gunten vor Jahren schon mal für ein ganz anderes Projekt überlegt hatte, das für mich alternativ zu Newscron/Niuws gewesen wäre. Nach einigem Überlegen stellte sich dann aber heraus, dass er auch hervorragend zu unserem heutigen Produkt passt, natürlich in der Hauptbedeutung von «extent or range of view, outlook, application, operation, effectiveness, etc.», aber genauso auch als Verb im Sinne von «to master; figure out», denn unsere Kuratorinnen und Kuratoren haben es drauf, wenn sie jeden Tag die besten Artikel aus ihrem Thema verlinken.

Und so hoffen wir, dass der unvermeidliche Umgewöhnungsprozess, dem wir ja doch alle unterworfen sind, ob der neue Name nun gut schreibbar ist oder weniger gut, schnell gehen wird.

Heute kann ich nur danken: Sascha dafür, dass er der Visionär war, als der er verdammt nochmal aber auch jeden Tag herumgezeigt wird, Kathrin für einen sehr netten Morgen, der mir gut dabei half, das Unvermeidliche noch ein paar Monate hinauszuzögern, Andreas Bleuler für die Solidarität (alles Gute, auch namenstechnisch!) und Andreas Von Gunten, auch Multi-Visionär, Kurator und inzwischen auch Newscron-Aktionär dafür, dass wir «unseren» Namen Scope nun als neuen Namen für Niuws nehmen durften.

PS. Update: Sascha war nicht der einzige, der das damals sofort gesagt hat.

Produktivitätsdilemma

Wenn ich einen unproduktiven Tag habe (wie gefühlt meistens), denke ich: Na ja, wenn ich nur produktiver wäre, wäre alles zu bewältigen.

Wenn ich einen unproduktiven Tag habe (wie gefühlt meistens), denke ich: Na ja, wenn ich nur produktiver wäre, wäre vermutlich alles zu bewältigen.

Wenn ich einen sehr produktiven Tag habe (wie heute), denke ich: «Um Gottes Willen, so intensiv geackert und nur so wenig von der Liste geschafft — das ist ja alles gar nicht zu bewältigen.»

Vielleicht deswegen besser morgen wieder Candy Crush.

Medienmitteilung: Umzugs-Serviceplattform movu.ch schliesst Finanzierungsrunde erfolgreich ab

Diese Mitteilung hat Laurent heute an diverse (Fach-)Medien verschickt.

Medienmitteilung
Zürich, 27. November 2014

Umzugs-Serviceplattform movu.ch schliesst Finanzierungsrunde erfolgreich ab

Sieben Monate nach dem Launch der Online-Plattform movu.ch, die Dienstleister für Umzug und Reinigung vermittelt, hat die Betreiberin Movu AG erfolgreich eine Finanzierungsrunde («Seed-Serie») abgeschlossen. Zu den neuen Investoren gehören u.a. Stefan Schärer, Dr. Peter Hogenkamp, Thomas Langenegger und Beat Schillig.

«Wir haben in den letzten Monaten bereits für über 1000 Kunden die besten Umzugs- und Reinigungsfirmen gefunden. Mit diesen Erfahrungen und dem neuen Kapital können wir das Produkt zügig weiter entwickeln und movu.ch als führendes Umzugsportal der Schweiz positionieren», sagt Laurent Decrue, CEO der Movu AG.

Von den Investoren nehmen Stefan Schärer, früherer CEO von Immoscout Schweiz, und Dr. Peter Hogenkamp, ehemaliger Leiter Digital der NZZ-Mediengruppe, Einsitz im Verwaltungsrat der Movu AG.

Dazu Nicolas Bürer, Verwaltungsratspräsident der Movu AG: «Wir sind sehr froh, mit Stefan einen ausgewiesenen Experten im Schweizer Immobilienmarkt und mit Peter einen langjährigen Kenner der digitalen Szene an Bord zu haben.»

Kontakt:
Movu AG – Erlebe modernes Umziehen!
LAURENT DECRUE
CEO & Co-Founder
Badenerstrasse 551, 8048 Zürich
Mobil +41 79 482 40 **
la****t@m***.ch | www.movu.ch

Über die Movu AG
Die Online-Plattform movu.ch (sprich: «move-you») hilft, den Umzug stress- und sorgenfrei organisieren zu können. Nachdem der Kunde online die Eckdaten seines geplanten Umzugs eingegeben hat, erhält er bis zu fünf kostenlose Offerten von Firmen aus seiner Umgebung. Im Online-Ratgeber sind zudem zu allen Fragen rund ums Thema Umzug Anleitungen, Checklisten und Tipps verfügbar, wobei Movu zudem viel Wert auf persönliche Beratung legt und mit jedem Kunden direkt Kontakt aufnimmt.

«Ich vermesse mich» – mein Artikel in der NZZaS (Langversion)

Hier die ungekürzte Version sowie Links zum Original meines Artikels «Ich vermesse mich» in der NZZ am Sonntag.

Vorgeschichte: Letzten Mittwoch, ich sass gerade gemütlich in Köln im Pressecenter der dmexco, rief mich Francesco Benini an, Ressortleiter Hintergrund und Meinungen bei der NZZ am Sonntag. Sie hätten in der Redaktionskonferenz über Self Tracking geredet, und einer wusste: «Der Hogenkamp macht das doch.» Ob ich einen Artikel dazu schreiben könne, der viel über Self Tracking und noch ein wenig über die neue Apple Watch sagt. Ich schrieb, es wurde natürlich zu lang, ich schickte ihm die lange Version, um zu fragen, wo ich kürzen solle, er fand den Self Tracking-Teil gut (was viel Sinn ergibt, wenn man weiss, dass in der NZZ am Sonntag von heute über die Apple Watch auch noch ein Text in der Wirtschaft und einer in Wissen/Technologie war), und so fokussierten wir auf den vorderen Teil. Wo ich mir aber schon mal extra die Keynote angeschaut habe (die etwa 750 Informationen enthält, die ich in keinem Pressebericht gelesen habe), vertraue ich Euch hier die lange Version an. Im Wissen, dass der Print-Artikel besser, weil kompakter ist. Kürzen hilft fast immer. Und auch die kleinen Textänderungen, die die Produzentin vorgenommen hat, finde ich alle sinnvoll. – Das Foto von mir, wen’s interessiert, ist übrigens von der sehr netten Barbara Sigg.

Wer die Print-Version, die bereits in sozialen Medien die Runde machte, lesen will: Hier das PDF im Original-Layout und hier der Link zum «Webpaper».

Selbstvermessung mit Apple-Schick

Die angekündigte Apple Watch könnte der «Quantified Self»-Bewegung zum Durchbruch verhelfen
von Peter Hogenkamp

Mein Studienfreund Tim, heute Unternehmensberater für Digitales, rennt. In Küsnacht im Kreis herum, während ich noch im Bett liege. Die App «UP» zeigt es mir an: «Tim hat eine Aktivität abgeschlossen: 4.87 km.» Ausserdem die Uhrzeit, das Tempo, eine Landkarte mit der Route (auf der Leichtathletikbahn von überschaubarer Aussagekraft; interessanter, wenn er auf Geschäftsreise ist und ich anhand des kleinen Ausschnitts die Gegend rate), seine Anzahl Schritte sowie eine Hochrechnung der verbrannten Kalorien.

Wie ich auch trägt Tim am Handgelenk Tag und Nacht das mit einem Bewegungssensor ausgestattete elektronische Armband «Jawbone UP24», das die Daten mehrmals täglich an sein iPhone überträgt. Von dort aus werden sie auf einen Server der Firma Jawbone hochgeladen, das aus den Bewegungen tagsüber die Schrittzahl und nachts die Schlafqualität errechnet und zurückspielt – nicht nur auf Tims iPhone, sondern auch auf die Geräte seiner Freunde, die sich gegenseitig freigeschaltet haben. Für sportliche Aktivitäten gibt zusätzlich spezialisierte Apps wie «RunKeeper».

Letzten Sonntag ist Tim sogar 16 km gelaufen. Natürlich freut mich das für ihn, und ich «like» seine Leistung mit einem gelben Emoticon, das jubelnd die Arme hochreisst. Zugleich ärgere ich mich, wenn ich weniger aktiv war als er, und lege rasch eine Extrarunde im Fitnesscenter oder auf dem Velo ein.

In meiner überschaubaren Runde von derzeit 18 aktiven Personen (seine Kontakte fügt jeder bilateral hinzu, so dass niemand denselben Freundeskreis hat) sehen wir gegenseitig unser Bewegungs- und Schlafverhalten. 10’000 Schritte pro Tag sind die vom System vorgeschlagene und den meisten übernommene Parole; die vorgeschlagene acht Stunden Schlaf dagegen erreicht kaum jemand, so dass die meisten ihr Anspruchsniveau heruntergesetzt haben – und trotzdem oft scheitern. Bewegung scheint einfacher als Schlaf.

Die 10’000 einmal zu schaffen, ist nichts besonderes; sie um das Doppelte zu übertreffen, führt zu Beifall im Freundeskreis. Am wichtigsten sind Serien, im englischen Original «Streaks», also «Strähnen» genannt. Denn die App führt Buch über den Tag hinaus und bejubelt Freund Andreas für seine «10-Tage-Serie», an denen er ununterbrochen seine Schrittzahl erreicht hat. Von Zeit zu Zeit werden zudem eher abstrakte Jubiläen gefeiert: Freund Markus hat in einem Jahr bereits 5 Millionen Schritte gezählt.

Bei mir setzen diese Serien erstaunliche Energien frei: Mit jedem erfolgreichen Tag wächst mein Ehrgeiz, diese nicht abreissen zu lassen. Zur Verwunderung nicht eingeweihter Mitmenschen raffe ich mich abends um elf nochmal zu einem Spaziergang auf, um vor Mitternacht die 10’000er-Marke zu schaffen – die Vorstellung, nach einem schlechten Tag wieder von vorn anzufangenm schmerzt ebenso wie ein langgezogenes virtuelles «Ohhhhh» im Freundeskreis, wenn ich auf 4000 zurückfalle. Eines Nachts allerdings, ich hatte den halben Tag im Zug nach Lugano und zurück, die andere Hälfte dort sitzend verbracht, marschierte ich noch los auf dem stockdunklen Fischerweg unterhalb von Zürich-Höngg, und geblendet von meinem iPhone-Bildschirm, auf dem ich den Fortschritt kontrollierte, wäre ich fast die Böschung hinunter in die Limmat gestürzt. Wie überall verläuft ein feiner Grat zwischen gesundem Ehrgeiz und dem buchstäblichen Absturz ins Absurde.

Als ich per Mail meine UP-Freunde und «Freunde» befragte, die meisten in Zürich, einige über Deutschland verteilt, vermeldeten alle dasselbe: Ja, die Kombination von Armband, App und Freundeskreis bringt mich dazu, mich deutlich mehr zu bewegen als früher. Man ist sich einig, dass das Sichtbarmachen des sonst eher vagen Aktivitätsniveaus eine ernome Hilfe ist. «Die Ernüchterung ist gross, wenn man sieht, wie wenig man sich effektiv bewegt», schreibt Freund Thomas.

Die übergeordnete Bewegung nennt sich «Quantified Self», also die Vermessung des eigenen Körpers und seiner Aktivitäten. Ambitionierte Jünger erheben Daten aus allen Lebensbereichen. Die vom Produktivitätsguru David Allen unterstützte App «Lift» lässt einen jeden beliebigen Vorsatz durch tägliche «Check-ins» protokollieren; der weltweit populärste lautet derzeit: «Drink more Water»; auf Platz 11 folgt: «Save Money». Beiden lassen sich nur näher spezifiziert mit «Heute erledigt» beantworten; es braucht also weiterhin Disziplin, um sich nicht selbst zu überlisten.

Nach wie vor ist das Erfassen von Bewegung am naheliegendsten und am einfachsten zu automatisieren. Dass die entsprechenden Geräte inzwischen einige Popularität erlangt haben, lässt sich an der Schätzung von 17 Millionen im Jahr 2014 weltweit verkauften Aktivitätsmessern für das Handgelenk ablesen, wie auch hierzulande an der Tatsache, dass es die erwähnten UP24-Armbänder inzwischen sogar in der Elektronikkette der Migros zu kaufen gibt. Ich habe meiner Mutter, die jeglichen Technikkults unverdächtig ist, bei ihrem letzten Besuch im Mai ein Armband angeschnallt. Sie trägt es jeden Tag und verfolgt und kommentiert die Ergebnisse regelmässig.

Und trotzdem stehen wir Armbandträger immer noch in der Ecke der Nerds, wie man heute die Computerfreaks nennt. Während Smartphones schon lange nicht nur in der Mitte der Gesellschaft, sondern auch an ihren Rändern angekommen sind, wird Selbstvermessung jenseits der Waage nach wie vor skeptisch beäugt. Wieso sollte man so etwas machen, und vor allem, wieso sollte man es auch noch mit anderen teilen? Freund Stefan mailte: «Bestimmte Leute schieben mich damit in eine ‹Möchtegern-Gesundhalter›-Kategorie – das habe ich nicht verdient. Ich bin so gemütlich wie vorher!»

+++

9420 km westlich von Zürich, im kalifornischen Cupertino, schickte man sich am letzten Dienstag an, dies zu ändern. Dort lancierte Apple neben zwei grösseren iPhones die lange erwartete «Apple Watch», die nun doch nicht «iWatch» heisst, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Diese kann zwar nicht so viel, wie sich manche erhofft hatten (siehe Kasten), aber solcher Gospel begleitet seit der Vorstellung des ersten iPhones vor sieben Jahren jeden Produktlaunch von Apple: Die Fans vor Ort applaudieren, die Technikjournalisten maulen – und die Konsumenten kaufen, in der Regel in Scharen. Die neuen iPhones, lediglich etwas grösser, melden Rekordzahlen bei den Vorbestellungen.

Während die Aktualisierungen des iPhones wie im Takt eines Uhrwerks ablaufen (neue Zahl alle zwei Jahre, neuer Buchstabe im Zwischenjahr), hat sich Apple mit der Smartwatch Zeit gelassen, zu viel Zeit, meinen viele, denn nun sind die Konkurrenten wie Samsung, LG oder Motorola schon da. Doch den Durchbruch zur Massenanwendung hat noch niemand geschafft. Dieses Kunststück könnte einmal mehr Apple gelingen: eine Kategorie nicht selbst zu erfinden, aber neu zu definieren.

Heute teilt sich der Markt auf in Hardwarehersteller wie Jawbone, Fitbit oder Withings, die eigene Apps für die sozusagen «beiläufige» Bewegung mitliefern, sowie spezialisierte Softwareanbieter wie RunKeeper, Runtastic und unzählige weitere Tracker und Communities, oft mit Fokus auf bestimmte Sportarten. Die Spezialisierung ergibt Sinn, denn wer sich erinnern lassen will, zwischen zwei Sitzungen ein paar Schritte zu machen, hat andere Bedürfnisse als jemand, der sich heute für den Zürich-Marathon im nächsten April anmeldet.

Die neue Apple Watch ist ein frontaler Angriff sowohl auf die Hardware- als auch auf die Software-Anbieter, denn entsprechend der bisherigen Aufteilung hat auch Apple zwei Apps für das Zusammenspiel mit der Uhr entwickelt, «Activity» und «Workout». Dabei zielt die Activity-App auf die breite Masse der potenziellen Self Tracker und dürfte daher wichtiger für den Markterfolg sein.

Eingebaute Sensoren messen die Bewegung der Uhr insgesamt, den Puls des Trägers für die Intensität der Aktivität sowie via dem GPS im zwingend verbundenen iPhone die zurückgelegte Distanz. Die Activity-App gibt drei verschiedene tägliche Ziele vor, die es in Kreisen visualisiert, wobei ein voller Kreis das Erreichen des Tagesziels bedeutet:

– «Stand»: während 12 Stunden am Tag jeweils mindestens eine Minute aufstehen, um das Dauersitzen zu durchbrechen
– «Move»: Erreichen eines täglichen Kalorienverbrauchs durch normale Bewegung – eine differentiertere Weiterentwicklung unseres 10’000-Schritte-Clubs.
– «Exercise»: 30 Minuten pro Tag mit erhöhtem Puls, der auch mit einem zügigen Spaziergang erreicht werden kann. Bei «richtigem» Sport überschneiden sich hier die Funktionen der «Activity»-App mit der «Workout»-App.

Mit diesen drei aus der Ferne sinnvoll erscheinenden Messgrössen kommt die Apple Watch ambitionierter daher als die heutigen Schrittzähler. Schlaf dagegen kommt bisher nicht vor, was leidgeprüfte iPhone-Besitzer nicht verwundert, denn die im Vergleich zu einem Armband ohne Display um ein vielfaches stromhungrigere Uhr muss natürlich nachts geladen werden. Diverse Schlaftracker-Apps sitzen sicher schon in den Startlöchern.

Vieles an der neuen Apple Watch liegt noch im Ungewissen, als Launchdatum wurde nebulös «Anfang 2015» angegeben; viele Details dürften auch unbekannt geblieben sein, weil sie noch in Entwicklung sind. Ein wichtiger Erfolgsfaktor lässt sich derzeit noch nicht beurteilen, nämlich das Gefühl der «Nahtlosigkeit» bei der Verzahnung von Hardware und Software einerseits sowie Hauptgerät iPhone und Satellit Apple Watch andererseits. Es verwundert nicht, dass die in Cupertino gezeigten Videos vielversprechend aussehen. Doch ob das reicht, ist unklar. Vielleicht sind die bereits andernorts bestehenden Gemeinschaften schon zu robust, oder der Einstiegspreis von 349 Dollar schreckt ab.

Die diese Woche in der Presse meistdiskutierte Frage ist die ästhetische: Will der prestigebewusste Schweizer statt seines hochwertigen Chronographen, allenfalls in Verbindung mit dem diskreten Tracker, eine bunt blinkende Uhr am Handgelenk tragen? Nick Hayek und Jean-Claude Biver als Vertreter der Uhrenindustrie verwarfen den Gedanken öffentlich als völlig absurd.

Doch ein grosser Teil meines Freundeskreises, wie auch ich selbst, trägt gar keine IWC-Hublot-Omega, sondern seit Jahren überhaupt keine Uhr mehr. Ich finde es inzwischen eher unangenehm, wenn etwas an meinem Handgelenk herumbaumelt, das mich vor allem beim Tippen stört.

Doch wer es probiert, könnte schnell «angefixt» sein vom neben Laptop und Smartphone dritten Bildschirm, nicht zuletzt von den Selftracking-Funktionen. Darauf dürfte Apple spekulieren, denn von wem hätte man jemals gehört, der nach Nutzung eines Smartphones wieder zum alten Nur-Telefonie-Handy zurückgekehrt ist?

Ich habe mein Jawbone-Armband nun seit eineinhalb Jahren und in dieser Zeit 25 kg abgenommen. Wieviel das mit dem virtuellen Wettstreit mit Tim und den anderen Freunden zu tun hat, ist natürlich unklar; geschadet hat es sicher nicht.

Und da jedes neue technische Spielzeug immer auch einen frischen Motivationsschub bedeutet, steht für mich fest: Ich bin dabei. Auf die Gefahr hin, dass ich mir neue Freunde suchen muss.

(PS. Ich poste später noch etwas zum Thema Datenschutz.)

Twitter-Foto-Update nach sechs Jahren

Heute habe ich nach sechs Jahren mein Twitter-Profilfoto ersetzt. Genau genommen: aktualisiert.

Twitter-Profilfoto, 2008-2014
Twitter-Profilfoto, 2008-2014
Twitter-Profilfoto, 2014-2020
Twitter-Profilfoto, 2014-2020


Heute habe ich nach sechs Jahren mein Twitter-Profilfoto ersetzt.

Das alte war nicht mal ein Foto, sondern ein «Still» aus einem Video bei turi2, aufgenommen an der re:publica 2008 in Berlin. Eine typische «Ich mache mal schnell was, bis mir was besseres einfällt»-Lösung. Dabei habe ich es sechs Jahre lang belassen – weil ich faul war/bin, eh nicht sonderlich gern fotografiert werde, Wiedererkennbarkeit mag.

In einer so langen Zeit wird man natürlich immer mal wieder angepöbelt angefeindet zur Schnecke gemacht freundlich darauf hingewiesen, sinngemäss: «Hey, jetzt reicht’s aber langsam mit dem ollen Foto, Du siehst ja gar nicht mehr so aus!». David Blum, damals wohl noch Worni, Avatar-Experte, ergänzte mal: «Den Rekord für das älteste hast Du eh sicher.»

Nun war ich also vorgestern bei der sehr netten Fotografin Barbara Sigg (deren Website gerade down ist – Update: läuft wieder), und neben den «normalen» Fotos für anderswo (aus denen ich noch eins auswählen muss, puh…) habe ich gesagt, ich möchte mein Twitter-Profilfoto nicht ersetzen, sondern nur aktualisieren. Also haben wir die gleiche Pose wie im Video probiert, was auch fast gelungen ist. Hab extra einen Badge umgehängt wie im Original, wobei ich keinen mit grauem Bändel zur Hand hatte, sondern nur den roten von der letzten SXSW. So dass ich jetzt Werbung für SapientNitro mache, was mich weiter nicht stört, und #BeTheStory ist per se nicht der schlechteste Hashtag.

Wie gesagt, Rest folgt in Kürze. Das Foto bei Facebook ist zwar viel jünger, aber trotzdem dringlicher, denn das NZZ-Café-Logo gehört schon seit einem halben Jahr nicht mehr hinter mich.

Die Billag kommt zu Besuch — und staunt über den sockenlosen Doktor.

Bekomme zweiminütigen Besuch von der Billag. Der Kontrolleur wundert sich sehr, dass man Doktor sein kann, aber keine Socken tragen.

Neulich in Zürich-Wipkingen, kurz nach Mittag. Ich bin gerade am Wäschewaschen und eher spärlich bekleidet. Es läutet an der Haustür.

Ich drücke den Öffner und springe erst danach schnell in eine Jeans und ein T-Shirt. Das geht locker, weil ich im vierten Stock wohne. Ungewohnterweise ruft niemand von unten, was er will (so wie «Paketposcht!», was im Klartext bedeutet: «Ich leg das Zeug hier auf die Treppe und haue ab!»), sondern jemand stapft wortlos die vier Stockwerke hoch, bis er direkt vor meiner Nase steht und mir seinen Ausweis zeigt.

Symbolfoto. Ich war nicht am Strand, hatte eine längere, blaue Jeans an, habe weniger muskulöse Waden, aber auch weniger sichtbare Adern. iStock hat nicht so viele nackte Füsse im Angebot.
Symbolfoto. Ich war nicht am Strand, hatte eine längere, blaue Jeans an, habe weniger muskulöse Waden, aber auch weniger sichtbare Adern. iStock hat nicht so viele nackte Männerfüsse im Angebot. Überhaupt kommen bei «Füsse» komische Treffer.

Der Herr ist von der Billag, «Schweizerische Erhebungsstelle für Radio- und Fernsehempfangsgebühren», Pendant zur deutschen GEZ, entsprechend ähnlich beliebt. Die Identifikation in letzter Sekunde hat vermutlich Methode: Sicher haben sich schon Leute verbarrikadiert, um schnell den Fernseher zu verstecken. Was in Zeiten von 40-Zoll-LED-Ungetümen auch weniger einfach sein dürfte als früher. Aber das soll nicht meine Sorge sein.

«Und…», fragt er etwas langgezogen, sicher auch taktisch, «…gerade erst eingezogen?» Reflexartig bleibe ich erstmal vage: «So nach und nach eben.» (Zu dem Zeitpunkt hatte ich parallel noch meine Wohnung in Erlenbach, deren Kündigungstermin ich wegen kurzfristiger Verfügbarkeit der neuen Wohnung leider verpasst hatte. Sowas passiert in der Schweiz wegen der fixen «Zügeltermine» gern mal.)

Erst nach dieser Schrecksekunde des schlechten Gewissens per Default fällt mir ein, dass ich ja gar nichts zu verbergen habe: «Billag? Zahle ich an meiner alten Adresse in Erlenbach.»

Er schaut etwas ungläubig: «Ah ja? Wie ist denn die Adresse?» Er klappt sein Windows-Tablet mit einer Liste auf. Die App sieht alles andere als mobile-optimiert aus. Er hat mit mir noch etwa fünf «Leads» für heute offen.

«Zollerstrasse 22, 8703 Erlenbach.»

Er holt sein Samsung-Handy raus und wiederholt die letztgewählte Nummer. Offenbar telefoniert er oft mit dem Kollegen im Innendienst und fragt grusslos: «Kannst Du mal schauen, Hogenkamp, 8703, Zollerstrasse?»

Der Kollege am anderen Ende sucht. Und findet mich.

Mein Besucher wiederholt: «Genau: Hogenkamp. Peter.» Und weiter, stutzend: «Doktor?»

Und schaut, das Handy am Ohr, von meinen nackten Füssen hoch bis zu meinem ungewaschenen Gesicht, und wieder runter zu den nackten Füssen.

«Genau», sage ich. «Sieht man nicht, weiss ich. Stimmt aber.»

Der Kontrolleur murmelt etwas von: «Ist ja auch gut, dass man sowas nicht sieht», bittet seinen Kollegen, meine Adresse zu migrieren, klickt einen Erledigt-Button in seiner App, mein Lead verschwindet, er klappt das Tablet zu. «Danke, auf Wiedersehen.» Die ganze Szene hat vielleicht zwei Minuten gedauert.

Treppab, und weiter geht’s zu den anderen fünf.

Leider konnte ich keinen Namen lesen, sonst würde ich sie schnell bei Facebook suchen und ihnen raten, Socken anzuziehen. Macht einfach einen besseren Eindruck, falls mal überraschend einer vor der Tür steht, ganz egal, welche Ausbildung man hat. Würde meine Mutter auch sagen.

Spass mit Beratern – ein Osterei in «Walter Mitty»

Eines der schönsten Details im Film «The Secret Life of Walter Mitty» ist ein Slide der smarten Typen, die den Laden übernommen haben.

Eines der schönsten Details im aktuellen Film «The Secret Life of Walter Mitty» ist vermutlich den meisten Kinogängern gar nicht aufgefallen, weil es nur sehr kurz im Bild ist, fast Osterei-artig versteckt.

Als Walter gegen Ende des Films von seinen Reisen zurückkehrt, machen die unsympathischen Beratertypen, die den Laden abwickeln, aber inhaltlich keine Ahnung haben, gerade eine Sitzung, bei der sie sich das letzte Cover des Fotomagazins «Life» schön reden: ohne Foto, nur mit dem Schriftzug «The End of Life».

aus: The Secret Life of Walter Mitty
aus: «The Secret Life of Walter Mitty»

Links zeigt ein beratermässiges Powerpoint-Slide die unverkennbaren Vorteile dieser Lösung «No photo on final cover» – wenn ich es richtig entziffert habe, im Uhrzeigersinn von oben links:

  • No royalty
  • Messes with people’s expectations (in a good way)
  • Cost Effective
  • High WTF Factor
  • Let the girls play it safe!

Man sieht unmittelbar, wieso einem Beratergeschichten häufig wie eine moderne Fassung von «Des Kaisers neue Kleider» vorkommen: Alle ahnen, dass der Kaiser nackt ist, aber mit einigen Slides mit einprägsamen, wenn auch sinnlosen Parolen sowie etwas Gruppendynamik kann die Gruppe versuchen, sich das Gegenteil zu suggerieren. Hoher WTF-Faktor in der Tat!

Mein Homescreen in der SoZ von heute

Die SonntagsZeitung druckt meinen iPhone-Homescreen.

Die SonntagsZeitung hat seit einigen Wochen auf der Frontseite des Multimedia-Bunds eine neue Rubrik: «Homescreen», Unterzeile: «Prominente und Webspezialisten zeigen uns ihren Smartphone-Bildschirm, den Homescreen, und ihre digitalen Vorlieben». Natürlich bin ich angesichts dieser Auswahl ein «Webspezialist».

Hier ist meiner von heute auf Seite 69:

Ausriss aus der SonntagsZeitung vom 7. April 2013, Seite 69
Ausriss aus der SonntagsZeitung vom 7. April 2013, Seite 69

Und der Screen in gross:

SonntagsZeitung_Homescreen_Hogenkamp_hires

Bin gesunder zurück

Bin nach meiner Kur seit gestern zurück im Büro. Alles prima.

Bin nach meiner Kur seit gestern zurück im Büro. Alles prima. Ich war ja nicht krank, also kann ich auch nicht wieder gesund sein. Deutlich gesunder fühle ich mich aber schon.

Natürlich werden mir immer die gleichen zehn Fragen gestellt, die ich daher gern hier beantworte — aber ich erzähle es natürlich auch weiter jedem, den ich treffe, gern persönlich.

FAQ

«Wie, Du bist schon wieder da? Ich dachte, das sei was Längeres?»
Keine Ahnung, wer das behauptet hat. Ich habe nie etwas anderes gesagt, als dass ich zwei Wochen dort bin und am 28. Januar wieder im Büro. Stand auch so in meiner Out of Office-Meldung, es gab also eigentlich wenig Interpretationsspielraum. Na ja, auch egal.

«Wo warst Du denn?»
Im Kurhaus Oberwaid in St. Gallen. Kann ich wärmstens empfehlen. Alles brandneu (und daher noch etwas leer, was sich vermutlich demnächst ändern wird), wunderschöne Lage mit Blick auf den Bodensee (wenn sich mal der Nebel verzieht, also zweimal in zwei Wochen), sehr schöne Zimmer, tolle Küche, topmodernes «Medical Center», sehr engagiertes Personal.

«Und was hast Du dort gemacht?»
Mich vor allem jeden Tag viermal bewegt: Strampeln auf einem stationären Ergometer, Physiotherapie (anstrengend wie bei Kiesers, nehme alles zurück, was ich über den Beruf dachte, sorry, @Lea Barmettler), Schwimmen oder sonstiges Aqua-Zeug, dreiviertelstündiger Spaziergang durch den Wald. Interessanterweise fand ich den Spaziergang am anstrengendsten und am zielführendsten, indem man jeden Tag Fortschritte dabei macht, wie man in den Wald hochkeucht. Was zeigt, dass man eigentlich problemlos auch ohne Kurhaus fitter werden könnte, indem man einfach mehr zu Fuss geht. Aber man macht es nicht, solange man sich nicht die Zeit für einen solchen Aufenthalt nimmt, also braucht man es doch wieder.

«Und zwei Wochen reichen?»
Keine Ahnung, das wird man sehen. Das wichtigstes Ziel ist ja, Verhaltensänderungen im Alltag zu realisieren. Daher ist weniger die Frage, was man in der Kur alles schafft, sondern was man danach beibehält. Für diesen schon im anderen Post erwähnten «Initialimpuls» reichen meiner Meinung nach zwei Wochen durchaus. Ich bin jedenfalls recht motiviert. Will aber auch den Mund nicht zu voll nehmen. Fragt mich also in einem halben Jahr nochmal.

«Und wieviel hast Du abgenommen?»
Ähm… Ist das nicht etwas indiskret? Also gut: Nur 3.5 kg. Es sollte aber auch keine Fastenkur sein wie weiland bei Helmut Kohl am Wolfgangssee. Die Mediziner waren total happy, dass das genau dem theoretischen Wert entsprach aufgrund von Bewegung und Ernährung. (Faustregel, dazugelernt: 7000 kcal mehr verbrannt als gegessen machen 1 kg Gewichtsabnahme aus. Alle anderen Schwankungen sind in der Regel temporär.)
Apropos Österreich, am besten fand ich das Feedback von Kurt W. Zimmermann, es gäbe eine Klinik bei Salzburg, «dort nehmen Sie 20 kg in einem Monat ab». Dr. oec. troph. Britta Wilms kann Ihnen zu diesem Vorgehen mal ein Feedback geben, wäre vielleicht auch mal was für die Bilanz-Kolumne. :-)

«Und was war nun die wichtigste Erkenntnis?»
Erstens das mit dem deutlich zu hohen Blutdruck, das hatte ich echt nicht gewusst. Zugegeben, das hätte man auch einfacher rausfinden können. Der ist in der kurzen Zeit jetzt schon deutlich gesunken. Habe mir jetzt einen Withings Blood Pressure Monitor gekauft und messe jeden Morgen. Nach wie vor ist immer das beste, wenn man einen Grund hat, sich neue Gadgets zu kaufen.
Zweitens der Cola-Zero-Entzug. Wow, den habe ich drei Tage gespürt, mit heftigen Kopfschmerzen. Das hätte ich nicht gedacht. Bin jetzt seit drei Wochen «clean» und werde dabei bleiben.

«Warst Du denn wenigstens die ganze Zeit offline?»
Das hatte ich hier schon geschrieben (letzter Absatz) und habe es so durchgezogen. Wenn man nicht antworten muss, finde ich ein paar Mails gelegentlich nicht sehr anstrengend. Generell offline zu sein und auch keine News mehr lesen zu können, keine Episodenguides von der Serie, die man gerade schaut, keine Wikipedia – das fände ich viel nerviger. Aber das muss wohl jeder selbst wissen.

«Also war es kein Burnout?»
Nö. Aber danke der Nachfrage.
OK, doch noch etwas ausführlicher: Wo ich schon mal dort war, habe ich natürlich so einen Anamnese-Fragebogen ausgefüllt, und auch wenn es keine quantitative Auswertung gab, fühlte ich mich aufgrund meiner Antworten deutlich im grünen Bereich. Natürlich habe ich auf die Frage: «Manchmal denke ich schon beim Aufwachen an die Arbeit» 5 von 5 angekreuzt, aber hey, das mache ich seit 20 Jahren so, egal bei welcher Arbeit. Es gab auch viele schöne Fragen, etwa, ob ich mich von meinem Vorgesetzten unterstützt fühle (5 von 5), oder ob ich Angst um meinen Job habe (0 von 5).
Wenn man beruflich und privat recht eingespannt ist, ist es sicher sinnvoll, sich über solche Mechanismen Gedanken zu machen und allenfalls frühzeitig Massnahmen einzuleiten. Was ich getan habe, worüber ich froh bin.

Meine eigene Joker-Frage: Warum schreibst Du das auf?
Weil ich fast ein Dutzend Feedbackmails bekommen habe von Leuten, die schrieben: Oh, ich glaube, das sollte ich auch mal machen, aber bin bisher nicht dazu gekommen.

Mein Tipp: Macht es. Bald. Eventuell auch nur eine Woche. Der «Leverage» der «Investition» für das eigene Leben scheint mir sehr beachtlich.

(Ich verspreche, diesmal allfällige Kommentare nicht erst nach zwei Wochen freizuschalten.)