, 14. September 2014 1 Kommentar

Vorgeschichte: Letzten Mittwoch, ich sass gerade gemütlich in Köln im Pressecenter der dmexco, rief mich Francesco Benini an, Ressortleiter Hintergrund und Meinungen bei der NZZ am Sonntag. Sie hätten in der Redaktionskonferenz über Self Tracking geredet, und einer wusste: «Der Hogenkamp macht das doch.» Ob ich einen Artikel dazu schreiben könne, der viel über Self Tracking und noch ein wenig über die neue Apple Watch sagt. Ich schrieb, es wurde natürlich zu lang, ich schickte ihm die lange Version, um zu fragen, wo ich kürzen solle, er fand den Self Tracking-Teil gut (was viel Sinn ergibt, wenn man weiss, dass in der NZZ am Sonntag von heute über die Apple Watch auch noch ein Text in der Wirtschaft und einer in Wissen/Technologie war), und so fokussierten wir auf den vorderen Teil. Wo ich mir aber schon mal extra die Keynote angeschaut habe (die etwa 750 Informationen enthält, die ich in keinem Pressebericht gelesen habe), vertraue ich Euch hier die lange Version an. Im Wissen, dass der Print-Artikel besser, weil kompakter ist. Kürzen hilft fast immer. Und auch die kleinen Textänderungen, die die Produzentin vorgenommen hat, finde ich alle sinnvoll. – Das Foto von mir, wen’s interessiert, ist übrigens von der sehr netten Barbara Sigg.

Wer die Print-Version, die bereits in sozialen Medien die Runde machte, lesen will: Hier das PDF im Original-Layout und hier der Link zum «Webpaper».

Selbstvermessung mit Apple-Schick

Die angekündigte Apple Watch könnte der «Quantified Self»-Bewegung zum Durchbruch verhelfen
von Peter Hogenkamp

Mein Studienfreund Tim, heute Unternehmensberater für Digitales, rennt. In Küsnacht im Kreis herum, während ich noch im Bett liege. Die App «UP» zeigt es mir an: «Tim hat eine Aktivität abgeschlossen: 4.87 km.» Ausserdem die Uhrzeit, das Tempo, eine Landkarte mit der Route (auf der Leichtathletikbahn von überschaubarer Aussagekraft; interessanter, wenn er auf Geschäftsreise ist und ich anhand des kleinen Ausschnitts die Gegend rate), seine Anzahl Schritte sowie eine Hochrechnung der verbrannten Kalorien.

Wie ich auch trägt Tim am Handgelenk Tag und Nacht das mit einem Bewegungssensor ausgestattete elektronische Armband «Jawbone UP24», das die Daten mehrmals täglich an sein iPhone überträgt. Von dort aus werden sie auf einen Server der Firma Jawbone hochgeladen, das aus den Bewegungen tagsüber die Schrittzahl und nachts die Schlafqualität errechnet und zurückspielt – nicht nur auf Tims iPhone, sondern auch auf die Geräte seiner Freunde, die sich gegenseitig freigeschaltet haben. Für sportliche Aktivitäten gibt zusätzlich spezialisierte Apps wie «RunKeeper».

Letzten Sonntag ist Tim sogar 16 km gelaufen. Natürlich freut mich das für ihn, und ich «like» seine Leistung mit einem gelben Emoticon, das jubelnd die Arme hochreisst. Zugleich ärgere ich mich, wenn ich weniger aktiv war als er, und lege rasch eine Extrarunde im Fitnesscenter oder auf dem Velo ein.

In meiner überschaubaren Runde von derzeit 18 aktiven Personen (seine Kontakte fügt jeder bilateral hinzu, so dass niemand denselben Freundeskreis hat) sehen wir gegenseitig unser Bewegungs- und Schlafverhalten. 10’000 Schritte pro Tag sind die vom System vorgeschlagene und den meisten übernommene Parole; die vorgeschlagene acht Stunden Schlaf dagegen erreicht kaum jemand, so dass die meisten ihr Anspruchsniveau heruntergesetzt haben – und trotzdem oft scheitern. Bewegung scheint einfacher als Schlaf.

Die 10’000 einmal zu schaffen, ist nichts besonderes; sie um das Doppelte zu übertreffen, führt zu Beifall im Freundeskreis. Am wichtigsten sind Serien, im englischen Original «Streaks», also «Strähnen» genannt. Denn die App führt Buch über den Tag hinaus und bejubelt Freund Andreas für seine «10-Tage-Serie», an denen er ununterbrochen seine Schrittzahl erreicht hat. Von Zeit zu Zeit werden zudem eher abstrakte Jubiläen gefeiert: Freund Markus hat in einem Jahr bereits 5 Millionen Schritte gezählt.

Bei mir setzen diese Serien erstaunliche Energien frei: Mit jedem erfolgreichen Tag wächst mein Ehrgeiz, diese nicht abreissen zu lassen. Zur Verwunderung nicht eingeweihter Mitmenschen raffe ich mich abends um elf nochmal zu einem Spaziergang auf, um vor Mitternacht die 10’000er-Marke zu schaffen – die Vorstellung, nach einem schlechten Tag wieder von vorn anzufangenm schmerzt ebenso wie ein langgezogenes virtuelles «Ohhhhh» im Freundeskreis, wenn ich auf 4000 zurückfalle. Eines Nachts allerdings, ich hatte den halben Tag im Zug nach Lugano und zurück, die andere Hälfte dort sitzend verbracht, marschierte ich noch los auf dem stockdunklen Fischerweg unterhalb von Zürich-Höngg, und geblendet von meinem iPhone-Bildschirm, auf dem ich den Fortschritt kontrollierte, wäre ich fast die Böschung hinunter in die Limmat gestürzt. Wie überall verläuft ein feiner Grat zwischen gesundem Ehrgeiz und dem buchstäblichen Absturz ins Absurde.

Als ich per Mail meine UP-Freunde und «Freunde» befragte, die meisten in Zürich, einige über Deutschland verteilt, vermeldeten alle dasselbe: Ja, die Kombination von Armband, App und Freundeskreis bringt mich dazu, mich deutlich mehr zu bewegen als früher. Man ist sich einig, dass das Sichtbarmachen des sonst eher vagen Aktivitätsniveaus eine ernome Hilfe ist. «Die Ernüchterung ist gross, wenn man sieht, wie wenig man sich effektiv bewegt», schreibt Freund Thomas.

Die übergeordnete Bewegung nennt sich «Quantified Self», also die Vermessung des eigenen Körpers und seiner Aktivitäten. Ambitionierte Jünger erheben Daten aus allen Lebensbereichen. Die vom Produktivitätsguru David Allen unterstützte App «Lift» lässt einen jeden beliebigen Vorsatz durch tägliche «Check-ins» protokollieren; der weltweit populärste lautet derzeit: «Drink more Water»; auf Platz 11 folgt: «Save Money». Beiden lassen sich nur näher spezifiziert mit «Heute erledigt» beantworten; es braucht also weiterhin Disziplin, um sich nicht selbst zu überlisten.

Nach wie vor ist das Erfassen von Bewegung am naheliegendsten und am einfachsten zu automatisieren. Dass die entsprechenden Geräte inzwischen einige Popularität erlangt haben, lässt sich an der Schätzung von 17 Millionen im Jahr 2014 weltweit verkauften Aktivitätsmessern für das Handgelenk ablesen, wie auch hierzulande an der Tatsache, dass es die erwähnten UP24-Armbänder inzwischen sogar in der Elektronikkette der Migros zu kaufen gibt. Ich habe meiner Mutter, die jeglichen Technikkults unverdächtig ist, bei ihrem letzten Besuch im Mai ein Armband angeschnallt. Sie trägt es jeden Tag und verfolgt und kommentiert die Ergebnisse regelmässig.

Und trotzdem stehen wir Armbandträger immer noch in der Ecke der Nerds, wie man heute die Computerfreaks nennt. Während Smartphones schon lange nicht nur in der Mitte der Gesellschaft, sondern auch an ihren Rändern angekommen sind, wird Selbstvermessung jenseits der Waage nach wie vor skeptisch beäugt. Wieso sollte man so etwas machen, und vor allem, wieso sollte man es auch noch mit anderen teilen? Freund Stefan mailte: «Bestimmte Leute schieben mich damit in eine ‹Möchtegern-Gesundhalter›-Kategorie – das habe ich nicht verdient. Ich bin so gemütlich wie vorher!»

+++

9420 km westlich von Zürich, im kalifornischen Cupertino, schickte man sich am letzten Dienstag an, dies zu ändern. Dort lancierte Apple neben zwei grösseren iPhones die lange erwartete «Apple Watch», die nun doch nicht «iWatch» heisst, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Diese kann zwar nicht so viel, wie sich manche erhofft hatten (siehe Kasten), aber solcher Gospel begleitet seit der Vorstellung des ersten iPhones vor sieben Jahren jeden Produktlaunch von Apple: Die Fans vor Ort applaudieren, die Technikjournalisten maulen – und die Konsumenten kaufen, in der Regel in Scharen. Die neuen iPhones, lediglich etwas grösser, melden Rekordzahlen bei den Vorbestellungen.

Während die Aktualisierungen des iPhones wie im Takt eines Uhrwerks ablaufen (neue Zahl alle zwei Jahre, neuer Buchstabe im Zwischenjahr), hat sich Apple mit der Smartwatch Zeit gelassen, zu viel Zeit, meinen viele, denn nun sind die Konkurrenten wie Samsung, LG oder Motorola schon da. Doch den Durchbruch zur Massenanwendung hat noch niemand geschafft. Dieses Kunststück könnte einmal mehr Apple gelingen: eine Kategorie nicht selbst zu erfinden, aber neu zu definieren.

Heute teilt sich der Markt auf in Hardwarehersteller wie Jawbone, Fitbit oder Withings, die eigene Apps für die sozusagen «beiläufige» Bewegung mitliefern, sowie spezialisierte Softwareanbieter wie RunKeeper, Runtastic und unzählige weitere Tracker und Communities, oft mit Fokus auf bestimmte Sportarten. Die Spezialisierung ergibt Sinn, denn wer sich erinnern lassen will, zwischen zwei Sitzungen ein paar Schritte zu machen, hat andere Bedürfnisse als jemand, der sich heute für den Zürich-Marathon im nächsten April anmeldet.

Die neue Apple Watch ist ein frontaler Angriff sowohl auf die Hardware- als auch auf die Software-Anbieter, denn entsprechend der bisherigen Aufteilung hat auch Apple zwei Apps für das Zusammenspiel mit der Uhr entwickelt, «Activity» und «Workout». Dabei zielt die Activity-App auf die breite Masse der potenziellen Self Tracker und dürfte daher wichtiger für den Markterfolg sein.

Eingebaute Sensoren messen die Bewegung der Uhr insgesamt, den Puls des Trägers für die Intensität der Aktivität sowie via dem GPS im zwingend verbundenen iPhone die zurückgelegte Distanz. Die Activity-App gibt drei verschiedene tägliche Ziele vor, die es in Kreisen visualisiert, wobei ein voller Kreis das Erreichen des Tagesziels bedeutet:

- «Stand»: während 12 Stunden am Tag jeweils mindestens eine Minute aufstehen, um das Dauersitzen zu durchbrechen
- «Move»: Erreichen eines täglichen Kalorienverbrauchs durch normale Bewegung – eine differentiertere Weiterentwicklung unseres 10’000-Schritte-Clubs.
- «Exercise»: 30 Minuten pro Tag mit erhöhtem Puls, der auch mit einem zügigen Spaziergang erreicht werden kann. Bei «richtigem» Sport überschneiden sich hier die Funktionen der «Activity»-App mit der «Workout»-App.

Mit diesen drei aus der Ferne sinnvoll erscheinenden Messgrössen kommt die Apple Watch ambitionierter daher als die heutigen Schrittzähler. Schlaf dagegen kommt bisher nicht vor, was leidgeprüfte iPhone-Besitzer nicht verwundert, denn die im Vergleich zu einem Armband ohne Display um ein vielfaches stromhungrigere Uhr muss natürlich nachts geladen werden. Diverse Schlaftracker-Apps sitzen sicher schon in den Startlöchern.

Vieles an der neuen Apple Watch liegt noch im Ungewissen, als Launchdatum wurde nebulös «Anfang 2015» angegeben; viele Details dürften auch unbekannt geblieben sein, weil sie noch in Entwicklung sind. Ein wichtiger Erfolgsfaktor lässt sich derzeit noch nicht beurteilen, nämlich das Gefühl der «Nahtlosigkeit» bei der Verzahnung von Hardware und Software einerseits sowie Hauptgerät iPhone und Satellit Apple Watch andererseits. Es verwundert nicht, dass die in Cupertino gezeigten Videos vielversprechend aussehen. Doch ob das reicht, ist unklar. Vielleicht sind die bereits andernorts bestehenden Gemeinschaften schon zu robust, oder der Einstiegspreis von 349 Dollar schreckt ab.

Die diese Woche in der Presse meistdiskutierte Frage ist die ästhetische: Will der prestigebewusste Schweizer statt seines hochwertigen Chronographen, allenfalls in Verbindung mit dem diskreten Tracker, eine bunt blinkende Uhr am Handgelenk tragen? Nick Hayek und Jean-Claude Biver als Vertreter der Uhrenindustrie verwarfen den Gedanken öffentlich als völlig absurd.

Doch ein grosser Teil meines Freundeskreises, wie auch ich selbst, trägt gar keine IWC-Hublot-Omega, sondern seit Jahren überhaupt keine Uhr mehr. Ich finde es inzwischen eher unangenehm, wenn etwas an meinem Handgelenk herumbaumelt, das mich vor allem beim Tippen stört.

Doch wer es probiert, könnte schnell «angefixt» sein vom neben Laptop und Smartphone dritten Bildschirm, nicht zuletzt von den Selftracking-Funktionen. Darauf dürfte Apple spekulieren, denn von wem hätte man jemals gehört, der nach Nutzung eines Smartphones wieder zum alten Nur-Telefonie-Handy zurückgekehrt ist?

Ich habe mein Jawbone-Armband nun seit eineinhalb Jahren und in dieser Zeit 25 kg abgenommen. Wieviel das mit dem virtuellen Wettstreit mit Tim und den anderen Freunden zu tun hat, ist natürlich unklar; geschadet hat es sicher nicht.

Und da jedes neue technische Spielzeug immer auch einen frischen Motivationsschub bedeutet, steht für mich fest: Ich bin dabei. Auf die Gefahr hin, dass ich mir neue Freunde suchen muss.

(PS. Ich poste später noch etwas zum Thema Datenschutz.)

Kategorie: Technik
, 1. September 2012 2 Kommentare

Aus einem Artikel bei inside-it:

«CIOs sind bereits in vielen Grossunternehmen Mitglieder der Geschäftsleitung. Nun folgt auch die Schweizerische Bundesbahn diesem Trend und trägt der zunehmenden Bedeutung der Informatik Rechnung. Ab dem 1. Januar wird die jeweilige Leiterin oder der Leiter des Informatikbereichs – gegenwärtig wäre das Peter Kummer – Mitglied der Konzernleitung.»

(via @c36daily)

Abgesehen von der dümmlichen Überschrift «SBB adelt Informatik» – ausgerechnet bei einer IT-News-Site – ist das Problem, dass der «Leiter IT» in vielen Unternehmen etwas ganz anderes macht als ein «Chief Information Officer» machen sollte.

Der «Leiter IT» hiess früher «Leiter EDV», und viele sind auch schon so lange im Amt, dass sie jetzt schon den dritten Titel haben, aber immer noch das gleiche machen: Sie sorgen dafür, dass die Server stabil laufen, dass die Total Cost of Ownership im Rahmen bleibt (bzw. nach Möglichkeit laufend gesenkt wird) und dass die User nicht mehr über den schlechten Support meckern als überall anders auch. Ein CIO sollte das aber allenfalls nebenbei machen.

Das habe ich an der HSG im Studiengang «Informationsmanagement» bei Hubert Österle gelernt: «Informationsmanagement ist das Management der Ressource Information im Unternehmen». Damals habe ich gar nicht so recht gewusst, was das ist – heute schon.

Es gibt ganz offenbar Unternehmen, bei denen die Kern-IT passabel läuft, die Ressource Information aber eher stiefmütterlich gemanagt wird, und vor allem auch sehr wenig Awareness beim Management vorhanden ist, dass es hier grosse Potenziale gäbe. Der CIO muss auch oberster technologischer Trendscout sein und laufend neue Möglichkeiten von technischer Infrastruktur (zur Zeit in aller Munde: alles mit «Cloud»), Kollaboration (zur Zeit alles mit «Social») und ähnliches evaluieren und auch zügig einzuführen oder zumindest zu testen bereit sein. Das sind Ziele, die den oben genannten teilweise konträr entgegen stehen.

Insofern ist die Nachricht, dass die SBB den obersten Informatiker in die Geschäftsleitung hebt (wieso eigentlich erst per 1. Januar?), noch nicht wirklich aussagekräftig. Wichtig wäre zu wissen, wie die Person ihre Rolle interpretiert.

(Ich habe keine Ahnung, wie das bei der SBB läuft. In vielen Bereichen wie der Website, den Apps, den elektronischen Tickets etc. sind sie ja sehr innovativ, aber das läuft, wenn ich recht informiert bin, nicht bei der IT, sondern bei Patrick Comboeuf, und der ist beim Personenverkehr. Hoffen wir, dass dem nicht in Zukunft das neue Organigramm in die Quere kommt.)

Kategorie: Technik, Wirtschaft
, 11. Februar 2012 40 Kommentare

Habe gerade einen Scam-Anruf aus Indien bekommen. Mit einer US-Telefonnummer (972-453-9824, Area Code gehört zu Dallas, aber ist sicher faked, man findet auch im Netz diverse «Beschwerden» über die Nummer) und heftigem indischen Akzent rief um 8 Uhr morgens eine Frau an und sagte: «I’m calling from Microsoft. We have received reports from your internet service provider of virus problems with your Windows computer. Can you tell me who owns the computer?» – Ich wollte die Geschichte hören, log also: «That would be me.» Sie so: «May I ask you to switch on your computer? You have serious problems, and I can put you through to somebody from technical service who can help clean your Windows.»

Ich hätte gern gehört, wie es weiter geht, und hab kurz überlegt, ob ich wirklich den Windows-Computer einschalte, der hier rumsteht (nicht meiner, ich hab noch irgendwo einen alten DELL-Laptop in der Ecke liegen, den ich aber seit 2007 nicht eingeschaltet habe), aber dann war mir doch schon die Vorstellung zu anstrengend, während des Bootens fünf Minuten, oder wie lange das heutzutage dauert, mit der Frau am Telefon – und Sohn2 im Hintergrund – zu verbringen, und ich sagte: «You know what, this whole story sounds pretty funny to me.» Die Frau wurde ärgerlich: «You think this is funny? What makes you think is is funny? This is very serious!» – «And besides, I have a Mac», sagte ich. «You have Macintosh?» – «Yes.» – Klick, aufgelegt.

Da soll noch jemand sagen, einen Mac zu haben hilft nichts.

Hab die Geschichte natürlich sofort gegoogelt (nach “windows scam india”) und diverses Englischsprachige gefunden, u.a. diverse Artikel und Blogposts beim Guardian, wie den hier: «Virus phone scam being run from call centres in India».

Dort steht auch, wie es weitergegangen wäre:

The puzzled owner is then directed to their computer, and asked to open a program called “Windows Event Viewer”. Its contents are, to the average user, worrying: they look like a long list of errors, some labelled “critical”. “Yes, that’s it,” says the caller. “Now let me guide you through the steps to fixing it.”

The computer owner is directed to a website and told to download a program that hands over remote control of the computer, and the caller “installs” various “fixes” for the problem. And then it’s time to pay a fee: £185 for a “subscription” to the “preventative service”.

Natürlich ist die Geschichte so absurd, dass es mir rätselhaft wäre, wie jemand darauf reinfallen könnte. Woher sollte Microsoft meine Nummer haben? Wieso sollte mein ISP Swisscom merken, dass ich einen Virus habe, und wenn doch, wieso sollte er mich bei Microsoft melden, statt mich direkt anzugehen? Und wieso sollten die aus Indien anrufen, mit einem Akzent, den man fast nicht versteht?

Andererseits glauben die Leute ja auch, dass ihnen jemand aus Nigeria 50 Millionen vererben will. Ja nun.

Deutschsprachige Artikel oder Blogposts habe ich gar nicht gefunden. Aber natürlich gehe ich davon aus, dass ich nicht der erste in der Schweiz bin, der angerufen wird, und dass die Geschichte in wenigen Tagen bis Wochen, je nach Intensität der Bewirtschaftung der hiesigen Adressen, morgens im «20 Minuten» steht. Barbara Josef, kannst schon mal ein Statement vorbereiten.

Update: Ach, es war schon bei 20 Minuten, hab’s bei meiner ersten Suchrunde wegen «Indien» nicht gefunden: Wenn Jenny anruft, droht Gefahr.

Kategorie: Technik, Wirtschaft
, 3. Februar 2012 5 Kommentare

Update von 14.58 Uhr: Wir verschieben die Krisenkommunikation hierher: nzzonline.tumblr.com/

(Ich poste das hier in meinem privaten Blog, weil nzz.ch nicht immer aktualisiert werden kann und/oder nicht immer erreichbar ist. Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Massnahmen.)

Gestern Mittag wurde ein neuer Software-Release auf NZZ Online eingespielt. Seit ca. 23 Uhr am Abend haben wir Probleme, die vermutlich damit zusammen hängen.

Hintergrund: NZZ Online besteht technisch aus zwei separaten Modulen: den «Backend-Servern» mit dem Redaktionssystem und den «Frontend-Servern», die die Website ausliefern. Dieser Setup stellt sicher, dass die Website auch erreichbar, wenn das Backend einmal abstürzt.

Seit heute morgen ist es durch Probleme im Backend unserer Online-Redaktion teilweise nicht möglich, die Website zu aktualisieren. Gleichzeitig bringen die Probleme im Backend zeitweise auf die Frontend-Server zum Absturz, so dass NZZ Online immer mal wieder gar nicht erreichbar ist. Die meiste Zeit ist aber die Website scheinbar in Ordnung, kann «nur» nicht aktualisiert werden (was natürlich sehr schlimm ist für eine Nachrichten-Site).

Nachdem alle anderen Massnahmen fehlgeschlagen sind, prüfen wir derzeit ein Wiederherstellen des Zustands vor der Installation gestern Mittag («Rollback»). Dadurch wird auch der inhaltliche Stand vorübergehend der von gestern Mittag sein, was wir allerdings schnellstmöglich wieder korrigieren werden.

Wir halten Sie hier dort: http://nzzonline.tumblr.com/ auf dem Laufenden. Danke für das Verständnis.

(Stand von 14.30 Uhr)

Kategorie: Medien, Technik
, 11. Januar 2012 7 Kommentare

Ich gebe es zu: Ich habe ein Helfersyndrom.

Ständig möchte ich Leuten Sachen erklären, die sie aus meiner Sicht besser machen könnten. Zum Beispiel «Wer brauchen nicht mit zu gebraucht…». Oder: «Schalt doch mal auf Deinem iPhone das Feature “Auf Netze hinweisen” ab, es macht schon mich wahnsinnig, wenn ich mit ansehe, wie Du immer erst auf “Abbrechen” klicken musst, wenn Du es in die Hand nimmst.» Sehr gern würde ich auch immer morgens mit einem grossen Schild «Rechts stehen, links gehen!» die Rolltreppe hochgehen. Und so weiter. Meine Ex-Firma Zeix ist aus dieser Idee heraus entstanden, die wir «User Education» genannt haben, nachdem ich das mal auf einer Visitenkarte einer Mitarbeiterin von eBay Deutschland gesehen hatte. Natürlich ist das ganze nicht selten auch egoistisch, weil nämlich ich gern links vorbeigehen würde, aber noch öfter ist es tatsächlich altruistisch.

Schon lange, konkret wohl, als wir bei Zeix e-fon eingeführt haben und ich meinen ersten VoIP-Client installiert habe, hat es mich gestresst, wenn die Leute ihre Telefonnummer so angeben, dass man sie nicht direkt anklicken kann — vor allem durch eine “(0)” in der Mitte. Früher war das ein Nischenthema, von dem ich das Gefühl hatte, es betrifft nur mich (dann halte ich mich mit Missionieren) zurück, aber mit dem zunehmenden Erfolg der Smartphones ändert sich das. Es ist doch toll, wenn man ein nur mässig gepflegtes Adressbuch hat, schnell in seinen Mails jemanden suchen kann und anhand von dessen Signature mit einem Klick anrufen. Wenn er dagegen diese doofe Null in der Telefonnummer hat, muss man sie sich merken, zwischen den Apps wechseln und sie eintippen — auf der Autobahn eine nicht ungefährliche Sache.

Zugleich ist das ganze Thema natürlich nicht soo wichtig, dass ich nun deswegen lange 1:1-Mails schreiben würde, in denen ich das erkläre. Zwar bin ich Möchtegern-Weltverbesserer, aber ich will nicht als notorischer Missionar rüberkommen (die Phase habe ich hinter mir), und vor allem habe ich eigentlich sowieso gar keine Zeit für sowas.

Gut gefallen hat mir in diesem Kontext der schlanke Ansatz von five.sentenc.es, den ich schon unter ein paar Mails als Fusszeile verlinkt gesehen habe, u.a. bei Thomas Benkö und Martin Weigert. So mag ich’s: schlank, unaufdringlich, sharable.

Wollte das daher schon lange mal mit dem genanntem Beispiel «keine Null!» nachbauen. Und nachdem ich gestern Nacht von sohn2 geweckt wurde und wusste, dass ich eh nicht mehr schlafen kann, war der Moment gekommen. Habe um 5.10 Uhr die Domain kleinerhinweis.com registriert (hinweis.com hätte man kaufen können, bei buydomains.com für $38’488, hahaha!) und hatte mich zur «Timebox» selbst verpflichtet, dass die Website live gehen muss, bevor ich um 8 Uhr das Haus verlasse. Damit war für mich als Laien gesetzt, dass ich mir kein eigenes Layout ausdenken kann und es auch nicht mit einem CMS schaffe, sondern nur mit einer einzelnen HTML-Seite (hat ja fast etwas romantisches, mal wieder HMTL in einem Texteditor zu bearbeiten, im Admin-Interface von Cyon).

Jedenfalls, diese Website gibt jetzt, sie hat bisher nur eine Seite, und hier ist sie: kleinerhinweis.com/keine-null/

Weshalb ich diesen Post eigentlich schreibe: Anregungen für die nächsten kleinen Hinweise werden gern entgegen genommen. Gestern kam schon: «URLs nicht ins Subject pasten».

Kategorie: Kommunikation, Technik
, 3. April 2010 1 Kommentar

Hier der Teaser:

Und hier sollte es dann laufen:
Webcam chat at Ustream

Alles weitere bei neuerdings.com.

Kategorie: Technik
, 25. Februar 2010 0 Kommentare

Mein Lieblingsfeature in Gmail ist schon vier Monate alt, aber ich stelle immer wieder fest, dass viele Leute, die Gmail oder Google Apps nutzen, es nicht kennen — ja, dass es sogar schlimmerweise viele Leute gibt, die überhaupt nichts von den «Labs»-Features in Gmail wissen. Unbedingt ändern!

Es ist auch ein Beispiel, wie Google es schafft, schöne, sprechende Namen für hilfreiche Funktionen zu finden. (Man mag sich nicht ausmalen, wie das gleiche bei Microsoft hiesse. Aber ich denke, Outlook wird es eh frühestens in fünf Jahren können.)

Also, hier in den Labs (grünes Reagenzglas oben rechts) einschalten:

«Got the wrong Bob?» schaut, ob die Mailempfänger, die man auswählt, zueinander passen — aufgrund dessen, wie ich sie sonst zusammen anmaile.

Gerade ist’s mir passiert, dass ich statt Helmut Kazmaier von Stimmt versehentlich Maja Kazmierczyk von nemuk angeklickt habe. Gmail reagiert sofort:

Eigentlich hätte ich gar nicht lange überlegen müssen, wie dieser Helmut genau heisst, denn das Schwesterfeature «Don’t forget Bob» gibt mir schon nach Eingabe der ersten beiden Stimmt-Partner Glenn und Stefan die anderen beiden an:

.
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Google: I’m a fan! Immer noch und immer wieder. Lass die Leute doch reden…

PS. Das andere absolut zwingende Feature in den Labs ist «Undo» — fünf Sekunden lang eine Mail zurückrufen, wenn man den Anhang oder eine CC vergessen hat.

Kategorie: Technik
, 7. Januar 2010 4 Kommentare

Den Amazon-MP3-Shop gibt’s jetzt auch in der Schweiz. Gleich mal das Widget ausprobieren.

Hab vor allem immer die zweite Strophe im Kopf, die nicht im «Preview» vorkommt.

Well our fathers fought the Second World War
Spent their weekends on the Jersey Shore
Met our mothers at the USO
Asked them to dance
Danced with them slow
And we’re living here in Allentown.

Hm, dass der «Kaufen»-Button halb rauslappt, ist nicht so hübsch, was?

Kategorie: Technik
, 15. Dezember 2009 7 Kommentare

Die iPhone-App «Ping» treibt Telekom-Managern den Angstschweiss auf die Stirn. Heute gibt es sie gratis. Hier der iTunes-Link.

Ping_gratis Musste etwas schmunzeln, als ich neulich im Tagi ein Statement von Swisscom-Chef Carsten Schloter las. Ich nutze Ping, aber der eingesparte SMS-Betrag pro Monat ist so gering, dass ich das gar nicht wichtig fand (weil ich eh schon lange nicht mehr viel smse). Kumuliert sieht’s natürlich anders aus, und wenn ich ein Teenie wäre, sowieso.

Machen Sie sich wirklich Sorgen über den Umsatz in der Mobiltelefonie?
Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Für das iPhone gibt es ein Programm namens Ping, mit dem man SMS gratis übers Internet verschicken kann. Solche Dienste sind derzeit stark gefragt und setzen den Preis für SMS unter Druck.

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Kategorie: Technik
, 8. Dezember 2009 1 Kommentar

Ziemlich super, dieses neue Feature «Google Latest Results». Hier der Google-Blogpost dazu: «Relevance meets the real-time web».

Habe gleich mal einen Test gemacht und das hier getwittert:

Will all #Copenhagen tweets show up in Latest Results? Like this: 200 limos, 140 private planes and caviar wedges.

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Kategorie: Technik