14 Blogreflexe in einer Stunde

Aus meinem Text für das Blogwerk Jahrbuch 2007 :

Der antrainierte Blogreflex

Manchmal fragen mich Leute, woher mir eigentlich die Ideen zum Bloggen kommen. Die Frage ist völlig falsch gestellt. Richtig wäre: Wie hältst Du es bloss aus, fast alles nicht zu bloggen?

Ich habe an einem beliebigen Tag in einer beliebigen Stunde – 30.11.2007 von 6 bis 7 Uhr – mal meine „Blogreflexe“ mitgezählt. Das Wort habe ich mir ausgedacht für den Gedanken: „Darüber könnte man etwas schreiben.“ Es waren 14 in einer Stunde, also dürfte ich auf den Tag hochgerechnet locker auf 100 kommen. Wirklich posten tue ich davon vielleicht 2 am Tag.

Wohlverstanden, dabei geht es nicht um Twitter-artige Statusmeldungen wie: „In Zürich angekommen. Es regnet“, sondern um kleine Storys mit einer Aussage und hoffentlich einer kleinen Pointe.

Ich würde gern mal wenigstens mal einen Tag lang alle bloggen. Allerdings würde das sicher etwa drei Tage dauern.

Stattdessen habe ich wenigstens die genannte Stunde von 6 bis 7 Uhr mal gebloggt, natürlich nur in Kurzversion. Ich war im Zug von St. Gallen nach Zürich und danach auf dem Weg ins Büro.

6.25 Uhr
Spalierstehen am Zug
Wieso können die draussen nicht eine breitere Gasse lassen? Ich weiss schon, die wollen schnell in den Zug, und vor allem der um 7.30 Uhr ab Zürich nach Bern ist brechend voll, aber dass man sich so rausrempeln muss, ist einfach nervig.

6.25 Uhr
Caritas-Plakat „Hngr“
Über hungernde Kinder macht man wohl keine Witze, aber bei „Hngr“ muss ich immer denken: „Spendenplakat 2.0“.

hngr

Natürlicht hat das auch schon ein anderer Blogger gedacht. (Und der findet auch noch die Zürcher Weihnachtsbeleuchtung cool, wie ich auch, jetzt sind wir schon zwei.)

6.31 Uhr
Baustellenvoyeurismus
In der Sihlpost-Unterführung, die jetzt schon seit zwei Jahren im Bau ist und es auch noch genauso lange bleibt, ist einer von diesen wunderschön exakten Schweizer Bauzönen, die besser aussehen als manches IKEA-Möbel, und mitten bei Gleis 10 hat jemand ein ebenso sauberes Loch reingesägt. Das kann kein Versehen sein, oder? Toll. Ich gucke fast jeden Morgen, obwohl man natürlich nichts Besonderes sieht und schon gar nicht jeden Morgen etwas Neues.

6.32 Uhr
Gute Werbung: SBB, Paris
Die Werbung mit dem zusammengeschobenen Boden zwischen Zürich und Paris finde ich gut. Einfache Aussage, hübsch anzusehen – „schneller da“ kommt raus, und es sieht nicht etwa nach Erdbeben oder so aus.

6.33 Uhr
Schlechte Werbung: Silhouette
Silhouette dagegen, dieser Fitnesscenter-Newcomer aus der Westschweiz, macht soo schreckliche Plakate. Immer dieser schlimme Stilmix. Finden die in der Westschweiz sowas schön? Ich kann’s fast nicht glauben.

6.34 Uhr
Grossbaustelle mitten in der Stadt
Schon wieder Baustelle: Ich finde es jeden Morgen etwas faszinierender, wie innerhalb von wenigen Tagen seit dem Baustart des Durchgangsbahnhofs Löwenstrasse (siehe durchmesserlinie.ch) eine riesige Grossbaustelle mitten unter dem Hauptbahnhof entstanden sein muss.
Erst dachte ich, ja ja, die stellen da wichtig ihre vielen Bauarbeiterwohncontainer auf und hämmern ein bisschen rum – aber wenn man dann das erste Mal ein riesiges Baufahrzeuge aus der Erde kommen sieht – wegen des Bauzauns sieht man kein Loch, sondern nur den Lastwagen schräg hochfahren – weiss man, da ist was Grösseres im Gange.
Apropos schräg aus der Erde kommen: Bei Rudi Carrell in „Am Laufenden Band“ war gegen 1977 mal einer, der nur ein vielleicht 50 cm hohes Brett längs senkrecht auf die Erde stellte, und dann so tat, als würde er dahinter eine Treppe hinuntergehen – er wurde also von Schritt zu Schritt kleiner und verschwand schliesslich ganz, aber auf massivem Boden, nur durch irgendwelche Verrenkungen. Das hat mich offenbar beeindruckt, sonst hätte ich es mir nicht 30 Jahre gemerkt. Kann das mal bitte jemand zu YouTube hochladen und mir den Link schicken?

6.34 Uhr
Velostation Süd: Provisorium
Ich muss unbedingt noch etwas schreiben über Schweizer Provisorien, die so schön sind wie Sachen, die andernorts für die Ewigkeit halten sollen. Die „Velostation Süd“ ist auch so eins.

6.35 Uhr
Tramwerbung-Gewinner
Ich sehe das erste Cobra-Tram mit Dachwerbung aus dem VBZ-Wettbewerb. (Darüber habe ich vier Tage später noch was Richtiges geschrieben.)

6.45 Uhr
M-Budget-Box
Sowas von cool, diese M-Budget-Box für 20 Franken.
O Gott, dafür haben sie online eine Broschüre in Flash.

6.55 Uhr
FF Clan als neue Blogwerk-Hausschrift
Wir haben beim Erstellen des Blogswerk-Jahrbuchs so nebenbei eine neue „Hausschrift“ eingeführt: FF Clan. Ganz hübsch.
Hatten vorher Interstate, einfach aus Faulheit von Zeix übernommen. Wir waren recht früh mit der 2003 oder so, aber dann hat sie sich epidemieartig ausgebreitet, zu Tchibo, Karstadt, RTL2 und was weiss ich wohin noch alles, daher muss Blogwerk jetzt mal was Frisches haben.

Ähm. Das sind ja nur 10. Ich hatte aber 14 irgendwo notiert…

0 Gedanken zu „14 Blogreflexe in einer Stunde“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.