NZZ kommt zum Interview

Heute kommt Matthias Daum und macht für die NZZ ein Interview übers Bloggen. Er bringt sogar einen Fotografen mit und fotografiert uns mutmasslich, wie wir über die Tastatur gebeugt vor uns hinbloggen. (Im Blogwerk-Büro sitzen natürlich gar nicht die Haupt-Content-Produzenten, aber Pit, Damian und ich schreiben ja schon auch ein paar Sachen.)

Mir ist erst gerade aufgefallen, dass ich Journalisten für auf einer 2 x 2-Matrix einteile, die aus den Dimensionen Fachkompetenz und Voreingenommenheit besteht. Hey, das gefällt mir, das muss ich gleich mal malen, um es besser zu verstehen.

Etwa so:

journalistenmatrix 2008-01-15

(Lustiger wäre es natürlich, wenn man statt I bis IV plakative Bezeichnungen in die Felder schreiben würde, wie „Ahnungsloser Realitätsverleugner“, oder noch lustiger, wenn man einfach Namen in die Felder schreiben würde. Das machen wir dann beim nächsten Mal.)

Matthias Daum jedenfalls macht bisher den Eindruck, er sei Sektor I – wobei eine abschliessende Beurteilung natürlich immer erst erfolgen kann, wenn man den fertigen Artikel gelesen hat. :-)

Wichtigstes Indiz (und einziges – da bin ich in meinem privaten Thesenjournalismus ganz pragmatisch): Er hat angefangen, selbst zu bloggen, und auch wenn sein Blog noch ganz frisch ist (?p=14), finde ich den Ansatz, es als zusätzlichen Recherchekanal heranzuziehen (wie hier, wo er Consultants sucht, die schlecht über ihren Arbeitgeber reden wollen – ich glaub, da kenne ich ein paar), interessant. Ich denke, das funktioniert; allerdings wohl nur, wenn man genug Leser hat, und dazu muss man wahrscheinlich auf Dauer mehr bloggen als nur Fragen.

Zu unserem Gespräch von heute sucht er noch Fragen an mich. Ich habe schon überlegt, noch selbst ein paar zu stellen wie: „Wie schaffen Sie es eigentlich, trotz der grossen Belastung durch das Bloggen immer noch so gut auszusehen?“, das aber wieder verworfen. Nico hat schon eine knallharte Fragesalve abgefeuert. Vielleicht will er investieren?

Also, wenn noch jemand etwas fragen will, mit dem er bisher nicht durchgekommen ist, weil ich so abgeschirmt bin – jetzt (vor 14 Uhr) ist die Gelegenheit!

16 Gedanken zu „NZZ kommt zum Interview“

  1. Hehe, die Journalisten-Matrix gefällt mir :-) Auch wenn ich jetzt mal vermuten würde, dass die meisten entweder zu Kategorie I oder IV gehören – zwischen den beiden Variablen wird es wohl eine gewisse Korrelation geben.

    Ach, und ich würde natürlich liebend gerne die Millionen, die ich als freier Journi in Teilzeit-Arbeit scheffle, in die Blogwerk AG investieren. Aber dazu bräuchte ich dann tatsächlich noch den Revisionsbericht.

  2. Ganz lustig, das könnte man auch mit „Jungunternehmern“ machen (auch wenn die nicht alle jung sind und schön den einen oder anderen Sündenfall mit fremden Geldern hinter sich haben). Die Beschriftungen würden dann links statt „kompetent/inkompetent“ einfach „seriös/unseriös“ lauten und unten statt „thesenfixiert/unvoreingenommen“ vielleicht „grosspurig/innovativ“ – das gäbe dann bei Feld IV z.B. Investorengelderverbrenner. Gäll, PH!

  3. Hallo anonymer Kommentator,

    ja, das ist ja das gute an diesen 2×2-Darstellungen, dass sie jeder versteht.

    Nun ja. Fast jeder. Neulich bei einem Workshop ist etwas Lustiges passiert; da ging der Chef vom Kunden ans Flipchart und wollte eine 2×2-Matrix zeichnen, und dann fragten wir… — aber lassen wir das hier.

    Entsprechend kann man solche Raster natürlich auch über Jungunternehmer oder „Jungunternehmer“ wie mich legen. Wobei mir die vorgeschlagenen Dimensionen „seriös – unseriös“ und „grossspurig – innovativ“ (das schlechte sollte übrigens jeweils an derselben Stelle stehen, damit man links unten und rechts oben als die beiden Extreme hat; das ist wohl Konvention) nicht trennscharf erscheinen. Die Eigenschaften „unseriös“ und „grossspurig“ (neue Rechtschreibung mit drei s) dürften miteinander korrelieren, so dass der Grafik wenig Aussagekraft zukommt. Genauso ist „innovativ“ wohl kaum das Gegenteil von „grossspurig.“

    Ich würde stattdessen auf einer Achse „erfolgreich – nicht erfolgreich“ vorschlagen, gerade wenn es um Investorengelder geht. Kriterium dafür wäre zum Beispiel: „Exit innerhalb von 5 Jahren mit x% Rendite“.

    Für diese leicht abgewandelte Matrix könnte man der Eigenschaft „grossspurig“ und „nicht erfolgreich“ dann sicher das plakative Label „Investorengelderverbrenner“ zuordnen.

    Bei dem erwähnten „PH“ muss es sich allerdings um jemand anderen als mich handeln. Erstens sind die Investoren bei Blogwerk erst seit weniger als einem halben Jahr investiert und haben sicher in dieser Zeit noch keinen Exit erwartet. Und zweitens ist das meine erste Finanzierungsrunde dieser Art. Zeix hatte und hat keine Business Angels an Bord.

    Aber das wissen Sie sicher alles.

    Schöne Grüsse.

  4. …ist aber interessant. Eigentlich ist eher NY gemeint, aber vielleicht hat ja da jemand etwas Falsches erzählt? Aber keine Angst: Jugendsünden finde ich absolut in Ordnung. Nur müsste man dann auch dazu stehen. Oder, PH?

  5. Hm. Ich finde die Diskussion mit anonymen Kommentatoren eigentlich eher fruchtlos, aber einen mache ich noch.

    Hatte keine Ahnung, wer Tim Nilson ist. Dass er als „jemand“ verlinkt ist, hiess, er sagt irgendwas über mich. Aber tut er gar nicht, sondern er hat nur diesen ollen Konrad-Artikel, den Du verlinkst und in dem er positiv erwähnt ist, bei sich quasi im „Pressespiegel“ abgelegt.

    Ich nehme also an, Du meinst diesen Absatz:

    1997 kam Peter Hogenkamp voller Enthusiasmus und Unternehmergeist nach New York. Er wollte einen Online-Reservierungsservice für Restaurants einrichten. Für Kinos gab es das bereits, warum sollte es nicht auch in der Gastronomie klappen, dachte Hogenkamp und schnappte sich ein paar Investoren. Doch die Idee wurde nicht angenommen. In den wirklich wichtigen Restaurants Manhattans zählt eben immer noch der vertrauliche Telefonanruf mehr als eine schnöde Mail. »Die Fehler lagen eindeutig bei uns«, bekennt Hogenkamp. Heute betreut er die Multimediabelange an der Universität St. Gallen.

    Den Artikel hatte ich schon fast vergessen. Das war meine erste richtig schlechte Erfahrung mit dem „Journalismus“. Mit einem Journalisten, der einen anruft und nett mit einem plaudert, mit dem man dann aber übereinkommt, dass er bitte NICHTS schreiben soll.

    Er aber denkt sich danach irgendwelche Fakten und Gründe aus, lässt die Zitate nicht gegenlesen und publiziert das einfach. Heute hätte ich hier zumindest ein Ventil, um meinem Ärger Luft zu machen; damals konnte ich nur „die Faust im Sack“ machen, wie die Schweizer das nennen (womit sie die Hosentasche meinen).

    Ich glaube, darüber schreib ich mal was Längeres. „Mein erstes Mal“ hiess mal so eine Rubrik bei Spiegel Online. „Mein erstes Mal von einem Journalisten reingelegt werden“ wäre dann mein Beitrag, den ich allerdings hier veröffentlichen würde.

    Jedenfalls, kurz die Fakten: In New York hatte ich 1997 nacheinander zwei Startups geplant. Das erste sollte newyorkeats heissen und der erwähnte Restaurantservice sein (heute sehr erfolgreich als OpenTable). Es kam jedoch nie zur Gründung; ich überwarf mich schon vor der Gründung mit dem einen Herrn, der Investor hätte sein sollen. „Schnappte sich ein paar Investoren“, was im Artikel steht, ist schlicht ausgedacht.

    Die zweite Firma hiess webauditors inc. und wollte Usability-Beratung machen. Sie wurde tatsächlich gegründet, aber mit Geld, das ich mir privat lieh und später zurückzahlte, also ohne „Investor“ im Wortsinne. Nach einem guten halben Jahr gab ich auf und kehrte nach St. Gallen zurück, wo ich mit den „Multimedia-Belangen der Uni St. Gallen“ nicht das geringste zu tun hatte (sondern Geschäftsführer der Alumni-Organisation war).

    Zu diesen beiden Episoden stehe ich voll und ganz. Es war teuer, es war anstrengend, es war deprimierend, aber ich habe viel gelernt. Und ich habe es eigentlich gar nicht nötig (ich weiss, ich widerspreche mir selbst mit diesem Kommentar), mich hier von anonymen Kommentatoren hinstellen zu lassen, als hätte ich etwas zu verbergen.

    Ich bin, bis auf wenige Abgründe meines Charakters, die ich selbst nicht wahrhaben will, der offenste Mensch, den ich kenne.

  6. …auch wenn’s verbranntes Investorengeld gewesen wär‘: Man muss – wenn man etwas riskiert – auch etwas verlieren dürfen. Aber die dümmlich, pardon: überspitzte, ironisch gemeinte, allenfalls etwas vereinfachende Matrix, in die da Journalisten gepresst werden, darf in einem funktionierenden Blog einfach nicht unwidersprochen werden.
    Und anonym sind meine Beiträge ja gewiss nicht, ich gebe ja schön brav meine Mail-Adresse an, mehr ist in diesem Blog ja nicht verlangt. Oder seh‘ ich da etwas falsch?

  7. Naja, als Leser freue ich mich natürlich, wenn der Kommentierende einen Namen hat. Oder sind „Gilt auch für Jungunternehmer“, Eigentlich redet niemand von Zeix oder Blogwerk“ oder auch „Wie gesagt…“ jetzt schon Namen?

    Schöne neumodische Welt…

  8. Und anonym sind meine Beiträge ja gewiss nicht, ich gebe ja schön brav meine Mail-Adresse an, mehr ist in diesem Blog ja nicht verlangt. Oder seh? ich da etwas falsch

    Anonym ist im Internet eigentlich niemand. Ein einheitliches Pseudonym verbessert aber die Lesbarkeit ? wieso man hier eine E-Mail-Adresse angeben muss, verstehe ich hingegen auch nicht.

  9. Weil das System sonst Mühe haben könnte, die weiteren Kommentare zum Beitrag an Dich zu verschicken, vielleicht?

    Keine E-Mail-Adresse, keine Kommentarbenachrichtung.

  10. WordPress-Default und nicht weiter nachgedacht.

    Das ist kein gutes Argument, schon gar nicht aus Usability-Sicht: aber da es beinahe alle so machen, wird jeder eine E-Mail-Adresse haben, die er in diesen Fällen einsetzt.

    Wir können überlegen, das Feld beim Redesign freiwillig zu machen.

  11. Ist Daums Text inzwischen veröffentlicht worden? Oder fiel er genauso der NZZ-Zensurschere zum Opfer wie Kommentare, die man im Weblog von Daum abgibt?

  12. Ich habe vor einer Woche einen Draft zum Lesen erhalten. Er wusste aber nicht, wann der Artikel erscheinen würde.

    Zu seinem Blog kann ich nichts sagen.

  13. Danke.

    «Bloggen ist kein reines von Informationen», sagt er.

    verstehe ich auf Anhieb nicht. Mal gucken, ob da im Blatt noch ein Wort steht. :-)

  14. Hallo Peter
    Ist wohl nicht ganz „comme il faut“, solange nach Deinem Blog noch einen Kommentar dazu abzusondern. Aber Deine „Skizze“ hat mich natürlich wieder mal an unsere alte Business-Idee mit Matrix-Darstellungen erinnert: Do you remember? What-matrix-is-it.com oder so? Wollen wir das nicht doch noch mal angehen – hätte mit auch noch ne passende „Dach“-URL dazu. Ich finde Matrix“en“ im Management wie im täglichen Leben einfach hilfreich – nur das Zeichnen derselben an Mac/PC und online ist so unheimlich mühsam…

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