Das bin ja ich!!!

Heute ist der Call for Speakers für die „Orbit-iEX-Konferenz 2007“ raus.

Ich klicke mich also (via inside-it-Artikel Orbit-iEX sucht dieses Jahr unabhängige Redner, bei denen im Newsletter heute alle Links einen systematischen Fehler haben) auf die entsprechende Seite orbit-iex-seminare.ch durch, und was sehe ich? Auf der Homepage??

00605 orbit iex[1]

Mich! Hahaa! Bei „Was User lieben, was sie hassen“ in diesem Jahr. Wie ich gerade die Fifa-Ticketshop-Website messerscharf analysiere. Little did I know back then, dass mir diese wirklich grottenschlechte Website via dem sagenhaften „Ormus-Tool“ wenige Wochen später den Eintritt zu zwei Viertelfinals gewähren würde – und Zehntausende Visits auf dem entsprechenden neuerdings-Beitrag.

Wollte schon fragen, was ein „unabhängiger IT-Professional“ ist, den man dieses Jahr vor allem anheuern will, ob ich also wieder mitmachen darf, oder ob man jetzt nur noch Leute sucht, die noch nie Geld für Ihre Tätigkeit im IT-Umfeld angenommen haben – aber wenn ich auf der Homepage bin, heisst das vielleicht, ich darf doch nochmal einreichen.

Deutsche Telekom: Schrumpfen auch politisch gewollt?

Ob es richtig ist, dass die Deutsche Telekom Kai-Uwe Ricke rausschmeisst, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne inzwischen den deutschen Markt nur noch vom Hörensagen aus den Medien. In „heute“ und in der „Tagesschau“ war die Personalie jedenfalls die Topmeldung. 1.5 Millionen Kunden habe Ricke verloren – das klingt natürlich dramatisch. Und mit René Obermann rutscht einer nach, der in seinem Bereich Wachstum verzeichnen konnte. So weit, so simpel?

Nö, an der Stelle wird’s eher etwas absurd. Denn die verloreren Kunden sind natürlich vor allem in der Festnetzsparte T-Com verloren gegangen, und als Ex-Monopolist kann man natürlich nur verlieren. Was soll man denn sonst machen, wieder auf 100% wachsen? Wie soll das gehen? Man kann auch die Preise nicht auf das Niveau der Mitbewerber senken; das wäre saublöd, denn viele Leute sind ja zu lethargisch zum Wechseln, und deren „Konsumentenrente“ muss man möglichst weit abschöpfen, so haben wir es in VWL gelernt. Also muss man sich damit abfinden, ein bisschen zu schrumpfen und nur schauen, dass es nicht zu schnell geht. Zugegeben, 150’000 Kunden im Monat sind da eine ganze Menge.

Obermann dagegen kommt aus einem Wachstumsbereich – Kunststück als Chef von T-Mobile, der Sparte mit eingebautem Wachstum und teilweise gezielter Kannibalisierung der Schwester durch Tarife wie T-Mobile@home. Natürlich muss man das Wachstum auch noch managen, wobei man sich vermutlich klüger oder dümmer anstellen kann, und offenbar haben sie vieles richtig gemacht, vor allem in den USA. Aber beim Kauf von Voicestream 2001 (für 35 Milliarden Dollar!) war Obermann noch nicht Chef von T-Mobile – sondern Ricke. Das Rezept, dass einfach immer der Chef von T-Mobile neuer Chef vom Ganzen wird, weil der ja Wachstum kann, scheint aber etwas schlicht. Diese Tatsache kommentieren heute nicht viele; newsclick.de macht’s:

Déjà vu beim rosa Riesen: Der Aufsichtsrat drückt wieder den Schleudersitz-Knopf am Chefsessel der Telekom ? ein wackeliges Möbelstück, wie schon Ex-Vorstandsvorsitzender Ron Sommer erfuhr. Diesmal muss Kai-Uwe Ricke dran glauben. Ironie der Geschichte: Nachfolger soll auch diesmal ein bis dato loyaler Chef der Mobilfunksparte werden. Heute heißt er René Obermann ? als Sommer flog, hieß er Ricke.

Ich habe vor zwei Jahren Jens Alder in einem Vortrag gehört, als er noch Chef der Swisscom war. Der wurde damals immer wieder gefragt, warum Swisscom trotz hoher Gewinner Stellen abbaue. Er sagte zumindest bei dieser Gelegenheit ganz emotionslos: „Dass wir schrumpfen, ist politisch gewollt, die Regulierung ist so angelegt. Würden wir nicht mehr schrumpfen, würde man das anpassen, bis es wieder passiert.“ Wenn man also nicht wachsen könne, müsse man halt Stellen streichen. Das klang recht einleuchtend. Um Wettbewerb zu schaffen, muss ja der Staat zu Beginn dem Monopolisten die Kunden wegreissen und sie den neuen Wettbewerbern zuschanzen – die Frage ist, wann er damit wieder aufhört. (Dass er an dem Ex-Monopolisten meist auch noch eine relevante Beteiligung hält und Gewinne erwartet, und dass Arbeitsplatzverluste in relevanter Grössenordnung immer ein Politikum sind, macht die Lage nicht übersichtlicher.)

Wie gesagt kann ich nicht beurteilen, wieviel vom Schrumpfen der Deutschen Telekom Produkt dieser regulatorischen Eingriffe ist und wieviel Unfähigkeit. Dass sie in dem ganzen Konvergenzgerangel einfach langsamer ist als die kleineren Herausforderer, ist sicher richtig, aber auch fast wieder systembedingt.

So oder so, es führt kein Weg daran vorbei: Ab genau morgen früh verliert René Obermann die Kunden – bei Feierabend um 17 Uhr sind schon wieder die ersten 5000 weg, die auf sein Konto gehen.

„Orange8“, wie die Telefonfirma

Lustig im selben Klein Report wie das hier fand ich auch noch jenes:

Internetdienstleister Orange8 Interactive AG baut aus

Der Internetdienstleister Orange8 Interactive in Biel hat sechs neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Beratung, Grafik und IT an Bord genommen und zählt heute einen Bestand von 24 Personen. Dies gab das Bieler Unternehmen am Donnerstag bekannt, das mit der Mobiltelefonfirma gleichen Namens nichts zu tun hat . (…)

„Die Mobiltelefonfirma gleichen Namens“? Fehlt bei der Mobiltelefonfirma nicht die 8? Hallo Bramwell, ich weiss, Euch gibt’s seit 1998, und Orange Schweiz erst seit 1999, aber Du hast trotzdem ein Branding-Problem, sorry…

Nigeria- und Kenia-Connections investieren jetzt auch in Firmen

He Leu, hier ist Dein Business Angel:

Guten Tag peter.hogenkamp,

Mein Name ist Herr George Jones von Kenia,Ich habe Ihre Anzeige im Internet gelesen.Ich arbeite schon seit vielen Jahren hier in Kenia in einem Hotel.

Ich komme geburtig aus Deutschland. Ein bekannter Gast, ein Ex-Minister,mochte in Deutscchland Geld investieren. Er bat mich ihm zu helfen da ich Deutsch spreche.

Ich frage hiermit in seinem Namen ob Sie daran interessiert waren, wenn der Minsiter sein Geld in Ihr Unternehmen investiert, als stiller Teilhaber.Er mochte 10.8 Millionen US$ in bar ins Land bringen. Auf Grund seiner hohen Position darf von diesem Geschaft nichts an die Offentlichkeit dringen.

Ich bitte Sie diese Angelegenheit streng vertraulich zu behandeln. Es ware ein Skandel, wenn in Kenias bekannt wurde das ein Minister sein Geld ins Ausland bringt. Fur Ihr vertrauen gibt der Minister Ihnen 30% von den 10.8 Millionen US$ und ich bekomme auch 10% von 10.8 Millionen US$.
Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung um den Kontakt zum Minister herzustellen. Das Geld wir in bar nach Europa gebracht und ausgezahlt.

Ich werden dann auch extra nach Europa reisen um meinen Anteil abzuholen. Die Kosten die in diesem Geschaft entstehen werden durch Sie und mich geteilt und sofort von der Provision abgezogen. Wenn Sie interessiert sind, dann antworten Sie mir bitte so schnell wie moglich.Ich bitte um Ihr Vertraue und um 100% Diskretion.

Falls dies fuer Sie von Interesse sein sollte,wuerde ich Sie bitten mit uns in Kontakt zu treten. Zu diesem Zwecke senden Sie mir bitte Ihre Persönliichen Daten wie Voll Namen, Adresse Telefon-,und Fax nummer ihre vertrauliche E-mail Adresse, damit ich Ihnen die relevanten Details dieser Offerte zukommen lassen kann:georgejjons@msn.com

Mit freundlichen Grüßen,
Herr George Jones.

Ich vermisse etwas Mrs. Munirat Abacha, the wife of Mohammed Abacha, son of the Late head of state of Federal Republic of Nigeria und die ganze Sippe. Aber ich nehm dann auch gern 10% für den tollen Hinweis.

Sunrise posaunt seine Pitches durch den ganzen Zug

Wie hier schon mehrfach berichtet ist es äusserst nervig, wenn man mit Leuten im Zug sitzt, die die ganze Zeit am Natel hängen und den halben Wagen akustisch verpesten. Lustig wird es dann, wenn sie Sachen besprechen, von denen man selbst ein bisschen was weiss (aus der Presse und aus Blogs) und ahnt, dass sie eigentlich lieber nicht im Zug verbreitet werden sollten.

Im Moment sitzt hier jemand (wir sind inzwischen deutlich hinter Winterthur und gerade beim fünften Telefonat in Serie) und macht seit Zürich in Saalstärke Termine über die „Ausschreibung der Grundversorgung, an der wir ja teilnehmen werden“. Morgen früh als erstes soll ihm jemand Unterlagen bringen, um 10 Uhr hat er eine Vorbesprechung mit Thomas, um halb elf gehen die dann zusammen zum nächsten Termin und so weiter. Habe leider nicht von Anfang an mitprotokolliert, sonst hätte ich jetzt einen ziemlich guten Überblick über seinen Tagesablauf.

Nehme an, der Mann arbeitet für Sunrise. Wenn man schon so rumbrüllt, könnte man doch wenigstens sagen: „Du weisst schon, worum es geht, ich bin im Zug“, oder so. Kann mir nicht vorstellen, dass Jens Alder, Christoph Brand & Co. das lustig fänden, aber mein Handy mit der Kamera ist gerade leer, deswegen heute keine gezielte Blossstellung. Schade.

slideshare, das Flickr/YouTube für PowerPoints

Drüben bei Fredy geschaut, ob er schon gebloggt hat, dass Christoph Brand CEO von Sunrise wird (hat er natürlich), und vor allem, ob er kommentiert hat, dass Jens Alder nichts damit zu tun hatte. Hat er natürlich auch und auf den Tagi verlinkt, der die besten Alder-Zitate zum Thema bringt:

Alder versicherte, dass er mit der Anstellung Brands nichts zu tun habe: «Ich habe ihn nicht rekrutiert; ich habe ihn nicht kontaktiert und ich habe keinen Vertrag mit ihm geschlossen», sagte er, «das hat TDC getan.»

Alder verwies in diesem Zusammenhang auf ein Abwerbungsverbot, das er bei seinem Abgang bei Swisscom unterschrieben habe und das noch weit ins nächste Jahr hinein gültig sei. Er sei nur um eine Referenz für Brand angefragt worden, die er «natürlich sehr gern» abgegeben habe.

Soviel zum Thema „Papier ist geduldig“.

Nun aber for something completely different. In den neuesten Post SwiNOG #13 hat Fredy Folien von einem Vortrag eingebunden, der seiner Meinung nach „auch für technische Laien einigermassen verständlich“ war. Nun, ich verstehe kein Wort, aber das macht nichts, ich finde das von ihm verwendete Tool slideshare spannend.

Hab es gleich mal ausprobiert mit meiner Usability-Präsi vom letzten Samstag. Sehr problemlos alles, dauerte fünf Minuten inkl. Registration und Upload. Man sollte wohl Arial als Schriftart nehmen – Interstate war zwar ins Powerpoint-File eingebettet, aber das scheint nicht zu helfen.

Allerdings muss ich erst ein paar Präsentationen damit anschauen, bevor ich mich zu einem Urteil aufraffen kann, ob dieses Einbetten überhaupt viel zusätzlich nützt im Vergleich zu angehängten PDFs, die man ja auch schnell durchklicken kann. Als Betrachter kann man zum Beispiel Links in den Slides anklicken (sicher sinnvoll) und Kommentare zu einzelnen Slides abgeben. (Was ist der Use Case? Wie findet man die wieder?)

Aber toll ist doch an Web 2.0, das muss man schon zugeben, dass ich mir noch gar nicht im Klaren bin, ob ich das überhaupt sinnvoll finde, da habe ich mich schon registriert, Content eingestellt, vertaggt und alles. Wenn die Software auch nur 19 Dollar kosten würde oder die Mitgliedschaft 4.95, hätte ich das nicht gemacht.

Aber nun mal einen bisschen abstrahiert, was heisst das jetzt für das Web insgesamt? Wir haben schon lange eine Site zum Fotos sharen, eine zum Videos sharen, jetzt eine zum PowerPoint sharen – muss man für jeden Dateityp ein neues Startup gründen? (abgesehen davon, dass Google und Yahoo sowieso alle kaufen)

Würde theoretisch auch eine Art Importfilter reichen? Oder sind die Communities so verschieden, dass das Fileformat doch eine eigene Site fordert? PowerPoint ist dafür ein typisches Beispiel: Während es auf der einen Seite Millionen von Leuten gibt, die nur in Slides denken können (zu denen ich selbst auch gehöre, wenn ich ehrlich bin), gibt es auf der anderen Seite Milliarden, die Slides und Bullets und alles vermutlich ziemlich merkwürdig finden. Brauchen daher die PowerPoint-Enthusiasten ihre eigene Community? Oder ist die Community sowieso nicht soo wichtig, weil man die Inhalte vor allem in Blogs embedded, wo sie Element einer anderen Community sind? (Note to self: Mal rausfinden, wie viele Leute bei YouTube wirklich auf die Site gehen vs. die Videos eingebunden woanders gucken.)

Spannendes Thema, dieses Sharing verschiedener Formate, aus meiner Sicht heute noch nicht abzusehen, was es mit den Daten machen wird. Wir bleiben dran.

 

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Archivspezialist JotSpot??

Wer registrierter User bei JotSpot ist, erfuhr es zur Abwechslung mal nicht aus Blogs, sondern per E-Mail, die mich gestern Abend um 19.50 Uhr MEZ erreichte:

JotSpot is now part of Google

Logos Jotspot Google

We’re writing to let you know that Google has acquired JotSpot. We believe this is great news for our users. More importantly, we want to reassure you that you’ll continue to have uninterrupted access to your account.

(vier Absätze gelöscht, pho)

Answers to more frequently asked questions are available at http://www.jot.com. If you have any other questions, please email support@jot.com.

In closing, we wanted to offer our sincere gratitude to you ? our customers ? for believing in us and helping us achieve success. We look forward to continuing that relationship at Google.

Best wishes,
The JotSpot Team

17 Stunden später hat die Nachricht den Weg via AFP zu Spiegel Online gefunden: Google kauft Archivspezialist JotSpot.

Archivspezialist? Wie? „Archivspezialisten“ gibt es schon, als solche könnte man zum Beispiel Firmen bezeichnen, die Software herstellen, mit denen man grosse Datenmengen archivieren kann, wichtig in Zeiten von Compliance und so. Nur hat JotSpot damit rein gar nichts zu tun.

Der erste Absatz der Meldung lautet:

Google teilte auf seiner Website mit, dass es die US-Softwarefirma JotSpot aufgekauft hat. Details des neuen Deals wie etwa der Kaufpreis wurden allerdings zunächst nicht bekannt gegeben. Die seit 2004 existierende Firma JotSpot mit ihren 27 Beschäftigten hat sich auf so genannte Wikis spezialisiert. Diese Programme ermöglichen es Internetnutzern, über Websites gemeinsam Kalender, Statistiken, Fotogallerien und Archive zu verwalten und zu bearbeiten.

Das ist zwar nicht ganz falsch, aber es kommt trotzdem glasklar raus, dass der Autor noch nie ein Wiki von nahem gesehen hat, sonst würde er die Aufzählung kaum mit „Kalender“ und „Statistiken“ beginnen, und auch keine Lust hatte, sich vor dem Runterhacken des Artikels besser zu informieren. Die Lektüre des Wiki-Artikels bei Wikipedia (dort müssen sie es ja wissen) hätte schon geholfen. Aber dass Journalisten nicht googeln, weiss man ja von Stefan Niggemeier. (Zugegeben, der Autor konnte nicht mehr schnell ein Wiki bei JotSpot eröffnen, denn von Google gekaufte Firmen machen immer direkt mit der Mitteilung die Registration dicht, das war bei Writely auch schon so. Vermutlich würde die Publicity gleich nochmal 100’000 Accounts bringen, und die will man nicht mehr.)

Und dass man jetzt auch schon bei AFP nicht mehr weiss, dass man gallery mit zwei l schreibt, Galerie aber mit einem, das ist schon ein bisschen traurig, wenn man es auf Bastian Sicks Homesite liest.

KMU-Tag St. Gallen – eigentlich huäräguät

Bin am KMU-Tag St. Gallen. Selten habe ich eine Veranstaltung so unterschätzt. Dachte, da sitzen ein paar Ostschweizer Unternehmer und diskutieren und hatte mich angesichts dessen schon über den Veranstaltungsort OLMA gewundert.

Sobald man in den Saal kommt, weiss man es besser. In diesem Jahr sind es erstmals mehr als 1000 Teilnehmer, die Veranstalter organisierten Anreisen per Autobus aus Aarau, Bern und Basel. Ich hätte den Saal leer fotografieren sollen, da war es noch eindrücklicker – die riesige OLMA-Halle mit Konferenzbestuhlung erinnerte mich spontan an Fernsehbilder vom Nationalen Parteikongress der Kommunistischen Partei Chinas (der allerdings laut Wikipedia 2000 Delegierte hat).

Plenarsaal

In der Pause versuchte ich, mit Roger Tinner (macht mal die Frames weg, jetzt sind es bald zehn Jahre, seit man das weiss), dem Missverständnis auf den Grund zu gehen. Das Ding hiess bei den ersten beiden Durchführungen „St. Galler KMU-Tag“. Jetzt heissen sie „Schweizer KMU-Tag St. Gallen“, und mit dem Namen hätte ich’s auch kapiert. Ist schon eine tückische Sache mit diesem Branding.

Im Folgenden nur ein paar Eindrücke vom Programm , heute schon wieder Liveblogging tue ich mir nicht an.

Anchorman ist der bei solchen Anlässen fast unausweichliche 10vor10-Moderator Stephan Klapproth. Der Mann ist ein fleischgewordenes Wortspiel. Vielleicht denkt er, er wird pro Wortwitz bezahlt, denn er lässt bei seinen vorbereiteten Texten keine Gelegenheit aus. Auch den Witz über George Bush, der „ohne Manuskript einen vernünftigen Satz sagt“, liest Klapproth vom Blatt ab. Was soll’s, den Leuten gefällt’s; George Bush zieht sich durch den ganzen Tag, und sie lachen bei jedem. Einen besonders guten Verkäufer umschreibt Klapproth als „jemanden, der George Bush ein Buch ohne Bilder verkaufen kann“ – Applaus auf offener Bühne. Im Verlauf des Tages merkt man, dass alle Sprüche wohlvorbereitet sind, denn in der Moderation der Diskussionen kommen sie deutlich weniger häufig.

Prof. Thorsten Tomczak kenne ich von der HSG seit sage und schreibe 13 Jahren, höre ihn aber heute zum ersten Mal referieren. Als ich anfing zu studieren, dachte ich noch, ich wollte Marketing vertiefen. Hätte ich mal machen sollen, zumindest ist Tomczaks Vortrag super. Wie bin ich nur damals auf die schiefe Bahn Informationsmanagement geraten??

Das beste kommt gleich am Anfang. Tomczak zeigt eine Folie, die er bei der Kinder-Uni-Vorlesung vor zwei Jahren gebracht hat: Auf der Folie sind vier T-Shirts, eins mit einem Adidas-Logo, eins mit Puma, eins mit Nike und eins ohne. Alle haben die gleiche Qualität. Das ohne Logo kostet 15 Franken, die anderen drei je 40. Tomczak hat die etwa 700 (rappelvoller HSG-Audimax!) achtjährigen Kinder abstimmen lassen, welches T-Shirt sie gern wollten.

T-Shirts

Das erste Ergebnis: 0, in Worten null Kinder, wollten das T-Shirt ohne Logo. Das zweite Ergebnis weicht in der Generation wohl deutlich davon ab, wenn man meine Altersgruppe befragen würde, und zeigt, warum es Puma derzeit so gut geht: 15% Nike, 25% Adidas, 60% Puma. Wow.

Das Foto hier ist nett zum Thema „Man muss das Versprechen seiner Marke auch einhalten“.

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Als nächster spricht Gerry Schwarz, Leiter Wirtschaftsredaktion NZZ, ohne Folien über Vertrauen. Der Vortrag ist interessant und kurzweilig, aber wie gesagt, live mitbloggen ist mir zu anstrengend, zumal man durch die Peking-Bestuhlung auch so eng neben seinen Nachbarn sitzt, dass ich den Satz „Können Sie nicht leiser tippen?“ nicht riskieren will.

In der Pause kommt irgendein freier Journalist auf die Bühne und macht mit seiner 2-Megapixel-Kamera aus 50 cm Entfernung hintereinander ungefähr acht Fotos von Schwarz. Der wundert sich etwas, wie mir scheint, reckt sich aber achtmal brav ins Bild.

Gerhard Schwarz wird fotografiert

So eine Veranstaltung von und für KMU bedeutet immer, dass viel Logos auf Kragen gestickt werden:

Logo auf Kragen

Es folgt Francesco Illy von FrancisFrancis, besser bekannt u.a. mit den Marken Illy oder Amici. Er macht, das hab ich auch noch nie gesehen, seinen Vortrag komplett im Sitzen auf einem der Ledersessel, die eigentlich für die Diskussionsrunden genutzt werden – sieht recht cool aus:

Francesco Illy

Er spricht unglaublich gut Deutsch, natürlich mit’e italienische Akzent’e, aber praktisch ohne Fehler. Toll. Er erzählt davon, wie wenig Geschmack eigentlich ausmacht im Vergleich zum Sehen, über das wir 87% unserer Informationen aufnehmen. Ich glaube, ich habe das richtig mitbekommen, auch wenn ich es nicht glauben kann: Das Auge sendet 1.5 Millionen Informationen pro Sekunde, der Geschmackssinn 15, der Geruchssinn nur 7. Na ja, auch wenn die Zahlen nicht stimmen, jedenfalls ist Geschmack im Vergleich eigentlich unwichtig. Daher muss man etwas für das Auge tun, auch wenn man etwas für den Geschmack (Kaffee) verkaufen will, und so hat Francesco die Illy Collection (Link oben links, man sollte die Leute mal nach der Qualität ihrer Websites einladen, da wär aber keiner da) erfunden. Dass das gut funktionierte, hat man gemerkt, als die Leute anfingen, in den Cafés die Tassen (die es damals noch nicht zu kaufen gab) zu klauen.

Dann kommt Frank Baumann, Werber, Sonnyboy, Fernsehmann etc. etc. – und KMUler mit seiner Firma Wörterseh (ceterum censeo… diese Website… und erst die Google-Vorschau … man könnte echt denken, es ist 1999).

Frank Baumann

Baumann schafft es, einen Vortrag zu halten, der von Kalauern und frauenfeindlichen Gags nur so wimmelt – zum Beispiel hat er immer wieder halbnackte Frauen drin und sagt jedes Mal „huch, falsche Folie“, überhaupt nicht komisch, und dann hat er noch in der Mitte von seinem Referat einfach zehn Minuten Firmenpräsentation eingebaut, ohne mit der Wimper zu zucken – und trotzdem einigermassen sympathisch rüberzukommen. Dass sich jemand bei einem Männerpublikum mit Chauvisprüchen anbiedert, ist ja fast normal. Dass die wenigen Frauen im Publikum dann oft komischerweise selbst noch mitlachen, habe ich auch schon einige Male erlebt. Aber Baumann war auch mir ganz sympathisch, was ich merkwürdig finde.

Aber vielleicht lag das an den wenigen eigentlichen Aussagen zu seinem KMU-Business. Extrem gut fand ich, wie er sagt, dass wir alle immer möglichst viele Mitarbeiter haben wollen und daran auch gesellschaftlich gemessen werden. (Das kenne ich auch selbst von Zeix: Wenn ich alte Bekannte treffe und sage, wir machen Internetberatung, gucken viele halbwegs mitleidig – wenn ich dann anfüge, wir sind inzwischen 20 Mitarbeiter, dann wandelt sich der Blick in Anerkennung.) Baumann hat reduziert und reduziert und reduziert (was er leider wieder mit Bildern von nackten Frauen dokumentiert, und Männern, hach, super Idee) und hat jetzt noch vier, für jeden Bereich seiner Wörterseh einen und ist damit am glücklichsten. Zwischendurch sagt er noch was Frauenfeindliches, das aber nicht anzüglich ist, und das ich leider gut verstehen kann: Er hat das Sekretariat outgesourced, weil er keine Lust hat, Angestellte zu haben, die den ganzen Tag nur daran denken, wann sie endlich wieder möglichst weit von der Firma weg sein können.

Nach diesen ernsten Themen noch ein paar Baumann-Folien zur Auflockerung:

DSC 7517

Klarer Sales-Pitch für die von seiner Frau geschriebenen, von ihm verlegten Bücher (im Bild Buch 4 von 4)

Huäräguät

Kampagne von Baumann für Elmer Citro und Mineral

Die Kampagne brachte ihm viel Ärger mit Gymnasiallehrern ein, die glaubten, dass das Wort „huäräguät“ schlecht für ihre Schüler sei, und einen Artikel in der NZZ, in dem sich jemand freute, dass die alten Schweizerdeutschen Wörter wieder Auftrieb bekommen (das Wort kommt vom lateinischen „horrendus“) – da war es aber schon zu spät, die Kampagne war schon gestoppt.

Baumann wäre nicht Baumann, wenn er nicht auch das für einen kleinen Exkurs nutzen würde, dass das Wort sogar vom „Milieu“ aufgenommen wurde:

Erotikanzeigen

Hier noch ein super Foto von Bernie Ecclestone mit seiner Frau – hab den Kontext vergessen:

Bernie Ecclestone und Frau

Tja, und dann war’s irgendwann mit Baumann ziemlich plötzlich zu Ende, wie auch dieser Beitrag hier, denn in der nächsten Pause bin ich gegangen – Norbert Blüm, der als letzter kam, kann man ja jeden zweiten Tag in einer Talk- oder Ratesendung sehen, und jemanden, der 16 Jahre lang als Minister gebetsmühlenartig wiederholt hat: „Die Rente ist sicher“, obwohl alle wussten, dass es nicht stimmt, kann ich nicht ernst nehmen.

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5 Jahre iPod – Steve Jobs‘ Präsentation bei YouTube

Früher waren Case Studies immer etwas Trockenes, auf Papier mit ein paar Abbildungen. Man las vorn, wie die Ausgangslage war, in der Mitte, was die Firmenführer sich ausgedacht hatten, am Ende, wie es herausgekomme ist. Spannend, aber nicht unbedingt immer sehr authentisch.

Heute ist es halb noch genauso (siehe „In Harvard nachgefragt – Was ist eine Case Study?„), halb schon anders. Es gibt YouTube, und wenn eine Firma und ihr Chef so gern im Licht der Öffentlichtlichkeit stehen wie Apple und Steve Jobs, dann kann man einfach zum Jubiläum „Fünf Jahre iPod“ die Steve-Präsentation von damals verlinken, und wir kriegen einen ganz unmittelbaren Eindruck, wie es damals war. Sehr spannend.

Das heisst nicht, dass nicht die Case Study „iPod“ immer noch sehr informativ wäre – mit Hintergründen, parallelen Entwicklungen, Kennzahlen etc. Aber wenn die Entwicklung so weitergeht, sind in einigen Jahren vielleicht alle möglichen Sachen per Video dokumentiert, so dass die Case Studies der Zukunft wirklich multimedial werden.

(via Spreeblick)