Web 2.0-Seiten im Höhenflug – Artikel in „heute“

Nicht mal was geposted über StudiVZ, nur kommentiert, aber so durfte ich auch noch meinen Senf dazugeben. In drei Stunden in den Zeitungsboxen und hier als PDF. Update: PDF, Artikel ist auf Seite 6. Hervorhebung von mir.

Die Studenten-Community «StudiVZ» wurde für traumhafte 139 Millionen Franken verkauft
Web 2.0-Seiten im Höhenflug

BERLIN · Bildet sich eine neue Internetblase? Web2.0-Dienste erzielen Traumpreise. Beim neusten Deal wurde die Studenten-Community «StudiVZ» für 139 Mio. Franken an die deutsche Holtzbrinck-Gruppe verkauft.

Obwohl die Studenten-Community www.studivz.net kürzlich durch Ausfälle und Sicherheitslücken negativ auffiel, wurde sie von der deutschen Verlagsgruppe Holtzbrinck gekauft. Laut «Financial Times Deutschland» soll der Verkaufspreis bei rund 139 Mio. Franken gelegen haben. Der Kaufpreis wurde aufgrund der User-Anzahl berechnet. Bei rund einer Million Registrationen sind das 139 Franken pro User, was gemäss Peter Hogenkamp, Internetexperte und Betreiber von «blogwerk.com», eine «absurd hohe Bewertung» ist, da Studenten nach dem Studium kaum noch in dieser Community verweilen werden und so das «Potenzial von StudiVZ begrenzt» sei. Claas van Delden von Holtzbrinck sieht die Chance von StudiVZ in einer Internationalisierung der Studi-Seite.
Für Europa sind derartige Preise für eine Web2.0-Seite noch neu. International sind 2006 bereits einige Milliarden für Internetdienste verschoben worden. Jüngstes Beispiel gab der Internetgigant Google, als er im Oktober die Videoplattform Youtube für 1,65 Mrd. Dollar übernahm. Für das Vorbild von StudiVZ «Facebook» soll Yahoo bereits 1,27 Mrd. Franken geboten haben.
Das war schon mal der Fall: Wie in den Hochzeiten der New Economy Ende der 90er-Jahre werden defizitäre Internet-Unternehmen zu utopischen Preisen verkauft. Selbst der grösste Web2.0-Dienst «MySpace» soll gemäss Gerüchten einen Jahresverlust von rund 50 Mio. Dollar ausweisen. Der Höhenflug geht trotzem weiter. Kommt bald der Crash? ges.

Der Crash kommt natürlich trotzdem nicht. Oder erst, wenn Blogwerk verkauft ist… :-)

Finde das Argument des Wachstumspotenzials wirklich entscheidend. Dazu nochmal etwas von Lars Hinrichs von OpenBC/XING aus dem Oktober:

Kündigungsquoten: Bei Dating-Netzwerken liegt die Kündigungsquote bei 15-20%, nach fünf Monaten hat die Kundschaft theoretisch komplett gewechselt. Bei openBC ist die Kündigungsquote gegen 2%.

Zugegeben, bei StudiVZ bleiben die Leute idealerweise nicht fünf Monate, sondern fünf Jahre. Aber dann ist auch Schluss. Bei XING dagegen bleibt man theoretisch bis zur Rente. Und: Dort zahlen die Leute bereits, und bei StudiVZ sagt ein „Beteiligter“ laut FTD folgendes:

„Die größte Frage wird sein, wie das zu monetarisieren ist, da haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns“, sagte ein Beteiligter. Auf dem Portal massiv Werbung zu schalten, könnte die Studenten-Community verschrecken. „Das wird man sicher sehr vorsichtig machen müssen“, hieß es. Für die Nutzer soll das Angebot des Portals weiter kostenlos sein.

Au weia. Wenn das nicht ein typischer Fall ist von: „Wir haben keine Ahnung, ob wir jemals Geld damit verdienen werden, aber Hauptsache, Springer hat es nicht gekriegt.“

Das Argument, man könnte mit einem gewachsenen Studierenden-Netzwerk auch die Alumni-Vernetzung organisieren (hab ein wenig Erfahrung mit Alumni-Vernetzung), halte ich für realitätsfremd. Mein Studienabschluss ist inzwischen gut zehn Jahre her, und ich habe mit Studenten einfach nichts mehr gemeinsam – wozu soll ich mich mit Erstsemestern vernetzen? Das wird in ein paar Jahren, wenn die StudiVZ-Generation abschliesst, auch nicht anders sein. Wenn man sieht, wie viele Studis heute schon ein XING-Profil haben, weiss man, dass die Jungen weiterhin wollen, was sie immer wollten: bei den „Grossen“ mitspielen. Natürlich ist auch die gesamte StudiVZ-Belegschaft bei XING vertreten…

Übrigens will ich nicht sagen, dass ich XING nicht beim Börsengang auch hoch bewertet fand angesichts von 6 Millionen Euro Umsatz – aber immerhin haben sie Umsatz. Ich zahle sogar seit neuestem selbst, und ich drehe wirklich jeden Online-Euro, der nicht für etwas Handfestes ist wie Shopping, dreimal um.

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