Liveblogging Telekommarkt Schweiz: Bruno Giussani

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Die PowerPoint-Regel von oben souverän gebrochen: Bruno Guissani (Web, Blog) zeigt sechs Kurven auf einmal, die alle eine sehr beeindruckende Steigung zeigen, und sagt: „Ist eigentlich, was sie darstellen, aber hat alles was mit Web 2.0 und User-generated content zu tun“.

Er zeigt animiert in zweieinhalb Sekunden zehn Screenshots von Blogs, die er regelmässig liest. Schweizer Blogs, die ich auf die Schnelle erkenne: Weltwoche, namics (Giussani ist VR), Andreas Göldi, Bondy Blog (korrigiert).

Er definiert Blogs als Bestandteil eines neuen „Ecosystems“ von Informationen und Content, der von allen auf viele verschiedene Arten geteilt werden können. (Wie immer an solchen Stellen würde ich gern wissen, wie viele Leute im Publikum eigentlich regelmässig Blogs lesen.) Seine Definition, Blogs nicht singulär anzuschauen, sondern seien nur ein sichtbarer Output von etwas viel Grösserem, ist jedenfalls nicht schlecht.

Wenn man eine Liste machen würde von allen Sachen, die im Moment im Internet „hot“ sind – keine davon wäre älter als fünf Jahre. Selbst Google ist (fast) nicht älter als fünf Jahre, und wir haben das Gefühl, als sei es immer schon da gewesen.

Wow, er zeigt einen Screenshot von neuerdings.com! Er zeigt diesen Beitrag in der „Single“-Ansicht. Der Beitrag ist schon von Ende November, aber die Baggenstos-Werbung läuft erst seit ein paar Tagen. Den hat er sicher gerade noch schnell eingebunden, als er gesehen hat, dass ich da bin. Ich fühle mich trotzdem geschmeichelt. Ich kenne sonst niemanden ausser mir, der sowas macht. :-)

Es geht um MySpace: „It it just a teenager thing?“ Nein: 52% der MySpace-Mitglieder sind älter als 35. (Hm, ich kenne ja nur drei Mitglieder: (Glückwunsch noch, ich hab’s erst Tage später gelesen!), Benny und Ronnie. Ist von denen einer über 35? Jedenfalls ist keiner 15, das steht fest.)

Er zeigt diverse News-Bilder von Amateuren im Vergleich zu Profi-Bildern: WTC, erster Einschlag (Amateurfoto) zu zweiter Einschlag (weltweite Livebilder im Fernsehen), Tsunami (die Welle ist nur auf Amateuraufnahmen zu sehen), London Underground, Moritz Leuenberger am Stand und so weiter. Der Unterschied ist: Wenn es wirklich passiert, sind immer nur Amateure da, die Profis kommen erst später an.

Beispiele für berühmte Blog-Posts der letzten Jahre: „The man who conned Oprah“ (kannte ich gar nicht) über jemanden, der eine fiktive Biografie geschrieben hat, „CNN’s Jordan Resigns Over Iraq Remarks„, „Sony, Rootkits and Digital Rights Management Gone Too Far„, Kryptonite-Lock, diese kennen wir.

Er zeigt den Swisscom-Eintrag der englischen Wikipedia. Er ändert aber nichts live am Beitrag, nur dass man es könnte (das mit dem Liveändern ihres Eintrags habe ich mal bei einem Referat über Web 2.0 bei einem Kunden gemacht, denen sind fast die Augen rausgefallen).

Vier Beispiele für Corporate Blogs: Wieder namics, Jonathan Schwartz von Sun, De Quoi je me me M.E.L., Umweltmanagement Swisscom.

Manchmal geht es schief: Chevys „The Apprentice“ Contest (man konnte User-generated Werbung hochladen, die aber leider fast ausschliesslich negativ war, Bericht), Wal-Marting Across America.

Sehr, sehr interessanter Punkt: Bruno zeigt die Suchergebnisse für das Suchwort „Swisscom“ bei Google und bei Google Blogsearch nebeneinander. (Das ist so gut, dass ich es nachstelle; das sind nicht seine Screenshots.)

Swisscom Google 2006-12-07

Swisscom Google-BlogSearch 2006-12-07

Bei den Google-Ergebnissen (oben) tauchen nur Sites auf, die Swisscom kontrolliert (swisscom.com, Swisscom Fixnet, Swisscom Mobile etc. Unten dagegen sind nur Sites, die Swisscom nicht kontrolliert. Sehr spannend.

Er zeigt seine eigenen Bruno-Identitäten mit Seiten, die er kontrolliert (seine Website, sein Blog, OpenBC/XING ), und anderen, die er nicht kontrolliert (ein Foto von ihm beim Telefonieren an einer Konferenz).

Second Life. Hurra, jetzt macht er den Handzeichen-Test. Wie viele Leute im Publikum (ich zähle nachträglich nach: 52 Personen) haben schon von „Second Life“ gehört? Etwa 10. Wie viele waren schon online? 2 (einer davon war ich, letzte Woche, eine Stunde lang, mit Ronnie, der schon öfter drin war). Bruno zeigt verschiedene Orte, an denen er schon bei Second Life war. Spannend. Brunos Avatar sieht auch aus, als habe er auch nicht viel Zeit mit Umziehen und Styling verschwendet, genau wie meiner.

(Das passt jetzt super: Wir bei Blogwerk sind natürlich auch nicht von gestern; Ronnie hat gestern Screenshots von Reuters bei medienlese geposted.)

Er zeigt das Beispiel von Landing Lights Park, eines Quartiers in Queens in der Einflugschneise von La Guardia Airport (daher der Name). Die Bewohner haben ein Diskussionsforum in Second Life gemacht, wo sie über die Gestaltung des Viertels diskutieren. Auf dem Screnshot, den er zeigt (hier via hier) stehen immerhin 20 Leute um eine virtuelle Karte herum (in einem virtuellen Spiel!). (Ah, das hat er vielleicht in Wired gelesen.)

(Verrückt. Ich war wie gesagt mal eine halbe Stunde online in Second Life, aber es dürfte sich lohnen, es öfter zu besuchen.)

Fazit: Eigentlich bin ich heute nur für Bruno angereist. Es hat sich definitiv mehr als gelohnt.

Nachtrag: Bruno selbst hat den ganzen Tag mitgebloggt.

6 Gedanken zu „Liveblogging Telekommarkt Schweiz: Bruno Giussani“

  1. Bei einigen der erwähnten Blogs bin ich ein bisschen verwirrt: Auf der Website der Weltwoche ist blogmässig fast nichts mehr los und der Le Bondy Blog glänzt in erster Linie durch viel weisse Farbe… :->

    Abgesehen davon finde ich Live Blogging eine gute Idee um Vorträge aller Art zu überstehen. Sind sie langweilig, unterhält man wenigstens sich selbst. Sind sie spannend, schafft man Mehrwert über den eigenen Blog oder so… ;)

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