NZZ-Kommentardiktaturkultur
Wieso darf Lucky Luke jetzt doch?

Im November schrieb ich nach einer Veranstaltung über den «Kommentar-Elitarismus bei NZZ Online». Urs Holderegger erzählte damals von ihren strengen Regeln: Wer nichts Gescheites zu sagen hat oder seinen richtigen Namen nicht angibt, dessen Kommentar wird mitleidslos gelöscht. Seitdem wundere ich mich nicht weiter, wenn ich bei NZZ Online kaum Artikel mit Kommentaren sehe (natürlich, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber wir reden hier von einer Site mit 7 Millionen Visits im Monat).

Umso mehr wunderte ich mich eben, als ich unter dem Artikel zum Rücktritt des Kommandanten der Schweizergarde die folgenden drei Kommentare fand (immer von unten nach oben, was nervig ist, denn wenn sich Diskussionen entwickeln, muss man erst ganz runterscrollen):

NZZ Kommentare

Hallo? Qualität? Real-name-Pflicht?

Peter Schmids Mundart-Kommentar hätte wohl eher an der Fasnacht Platz (originell wäre er allerdings auch dort nicht), und «Lucky Luke» heisst eventuell in Wirklichkeit anders und schreibt auch nichts Gescheites.

Bleibt die Frage: Hat hier jemand geschlafen, oder wurden die Regeln geändert?

Was von der NZZ-Kommentardiktaturkultur zu halten ist, durfte am letzten Dienstag auch Blogwerk-Mitarbeiter Ronnie-Grob erfahren: Sein Kommentar unter einem Artikel, dass eine falsche Zahl publiziert wurde (komisch, die «etablierten» Medien vertun sich bei den Blog-Statistiken immer nur in eine Richtung), wurde nach Korrektur der Zahl gelöscht. Siehe hier, Teil «Update am 04.03.2008, 19:50 Uhr». Ich glaub, ich schreibe mal einen How-to-Post über Online-Korrekturen.

8 Gedanken zu „NZZ-Kommentardiktaturkultur
Wieso darf Lucky Luke jetzt doch?“

  1. Moment, also in meinem Blog herrscht auch schärfste Kommentardiktatur, da halte ich es wie die NZZ ;-)

    Dieses merkwürdige „letzter Kommentar erscheint zuoberst“, hat vor einiger Zeit übrigens auch Verkehrsminister Leuenberger in seinem Blog eingeführt, ob er es wohl bei der NZZ abgeschaut hat?

    Auf mich wirkt das wie: Ich les eure Feedbacks zwar, aber erwartet ja nicht, dass ich auch noch darauf eingehe. Bei einem Verkehrsminister kann ich das ja noch nachvollziehen, weniger bei einer NZZ.

  2. Martin: Ich bin ja kein Schweizer, sonst hätte ich mich schon lange beworben. Diese Uniformen sind doch einfach nur schön.

    Ugugu: Journalisten antworten prinzipiell nicht auf Kommentare unter ihren Artikeln, habe ich den Eindruck. Ich glaube, sie denken: Ich habe mein Statement abgegeben, und damit basta.
    Wenn sie mal eine Ausnahme machen, wie neulich ras beim o.g. Martin, dann eher genervt.

  3. In foren und blogs existiert sowas wie meinungsfreiheit eh nicht mehr.

    Wenn ich mir angucke das die Telekom aus ihrem forum kritische beiträge wegen angeblichen off toüpic löscht,gleichzeitig aber selbst nen dicken off topic eintrag verfasst.

    Vielen Dank für die Blumen. :-)

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr T-Online-Team

    Nicht off topic.

    Die Telekom macht nur das was die Anderen unternehmen auch
    machen,billig billig billig.
    Lustig(oder eher kurios) finde ich das man mich an der Hotline immer zu
    Verträgen von 30? überreden(besser gesagt mir solche tarife vorschlägt)
    will,obwohl ich aktuell einen vertrag mit 50? habe.

    Angeblich off topic.

    http://foren.t-online.de/foren/read.php?709,3011764,3021894,page=5,fid=1c84b4f#msg-3021894

  4. Peter, auf Kommentare zu antworten gewöhnt man sich bei bestimmten Lesern ab, die nicht am Dialog, sondern nur am Bashen interessiert sind.

    Derartige Kommentare würden hier nicht stehen bleiben. Anderswo wird nur auf gerichtliche Anordnung gelöscht, gelten Flamewars als Trafficbringer, selbst wennd as auf Kosten von Mitarbeitern und Autoren geht. Da hört man irgendwann im Interesse der geistigen Gesundheit und der Arbeitszeit auf, mit Lesern zu diskutieren.

    Das Problem ist auch die Masse: Bei bis zu 500 Kommentaren pro Arikel und täglich 1-2 Artikeln kann man einfach nicht mehr mit den Lesern diskutieren. Auch wenn es die meisten zunächst erstmal wollen.

  5. Hallo Peter,

    Ich bin der unerwünschte Lucky Luke. Ich bin Chemiker und arbeite zur Zeit am Massachusetts Institute of Technology in Boston (hier wird geforscht, nicht geschwafelt). Du hast den Sinn meines Kommentares zur Schweizergarde hinterfragt. Ich habe generell Mühe mit allem was vom unfehlbaren Vatikan kommt. Habe mir deshalb einen Kommentar erlaubt, der zeigt, dass nicht mehr jeder im Mittelalter lebt. Heute kann man seine Meinung sagen. Das ist gut so. Und offenbar hat die NZZ ein bisschen Sinn für Humor und kritisches Denken. Der scheint gewissen allwissenden Teflon-Journalisten abhanden gekommen zu sein. Du kasnnst dich auf weitere Lucky-Luke Beiträge zu NZZ Artikeln gefasst machen, hoffentlich zu sinnvolleren Themen als dem Vatikan. Ich versuche so weit wie möglich anständig und sachlich zu bleiben. Das Thema Religion nervt mich allerdings so sehr, dass es halt ab und zu mal etwas deutlicher wird, genauso wie bei arrogant-provokativen politischen Themen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.